Gute Ausstellung, schlechte Ausstellung

November 10, 2006

Gleich vorweg geht ein Gruss an zwei wiedervereinigte Herzen irgendwo an der amerikanischen Ostkueste: Habt viel Spass! :)

Heute morgen ging es nach exzellenter Nacht auf japanischen Futons und meiner ersten Aufrecht-Dusche seit ich hier bin (die Japaner duschen sonst im Sitzen, also nicht auf dem Boden, sondern so stuhlartig) machte ich mich auf den Weg an den Ort, der Hiroshima und seine Einwohner seit ueber 60 Jahren praegt und beeinflusst: Den Park, der heute an der Stelle steht, an der am 8. August 1945 um 8.15 Uhr Ortszeit die erste Atombombe explodierte, die zu Kriegszwecken eingesetzt wurde.

Haupt“attraktion“ des Parks ist neben zahllosen Monumenten fuer die hunderttausenden Opfer vor allem die ehemalige Industrie- und Handelskammer, deren Ruine heute noch als Mahnmal am einen Ende des Parks steht, genau so, wie sie kurz nach Explosion der Bombe aussah.

Die Gaensehaut, die man beim Betrachten und umgehen der Ruine bekommt, kann man anschliessend im Atombombenmuseum ausweiten. Besonders krass fand ich Austellungsstuecke von Kindern, die bei der Explosion oder danach ums Leben gekommen waren. Schulinformen, Taschen, Schuhe mit Fussabdruck, aber auch Fingernaegel, Haare oder abgefallene Hautstuecke (!), die die Eltern zum Andenken an ihre Kinder aufbewahrt haben. Ich bin wirklich von einer Heftigkeit in die naechste gelaufen und finde es trotzdem nach wie vor nur sehr schwer vorstellbar, wie das alles gewesen sein muss.

Im Park selbst fand ich noch ein paar Baeume spannend, die bei der Explosion ziemlich was abbekommen haben und teilweise von ihnen ausgebrannt sind, sich aber trotzdem offenbar berappelt haben und aller Strahlung und allen duesteren Prognosen zum Trotz (Nach der Bombe ging in Hiroshima das Geruecht um, es wuerde 75 Jahre lang nichts mehr wachsen) gruenen und spriessen.

Insgesamt habe ich fast fuenf Stunden im Park und im Museum verbracht und fand es keine Sekunde langweilig oder zuviel. Einfach nur spannend, schrecklich, informativ, unheinlich, traurig.

Weil ich von dieser Ausstellung so beeindruckt war, fiel wohl auch mein Eindruck von meinem zweiten Ziel etwas magerer aus: Das Schloss von Hiroshima. Zunaechst bin ich erst mal von der falschen Seite um den Burggraben gelaufen, musste also einmal ganz herum und befuerchtete schon, ich koennte genau so zu spaet sein wie schon beim Schloss in Osaka.

Aber es war a) noch auf, b) ziemlich leer und c) etwas zusammenhanglos, zumindest die Ausstellung. Das Schloss wurde uebrigens auch von der Atombombe zerstoert und 1959 (relativ) originalgetreu wieder aufgebaut. Meine Highlights: Die Aussichtsplattform im fuenften Stock und die Umzieh-Ecke im ersten Stock, wo man alte Ritterkostueme, Helme und Kimonos anprobieren konnte. Also, theoretisch.

So, jetzt geh ich was essen, meine geplagten Fuesse hochlegen und Waesche waschen.

3 Antworten zu “Gute Ausstellung, schlechte Ausstellung”

  1. Caro Sagt:

    Wollte nur mal kurz sagen: ich lese gebannt! Ich sag nur nicht so oft was…also hier, in Kommentarform, mein ich…ääääähhh….genieß es weiterhin! Alles! ;-) LG, Caro

  2. Katze Sagt:

    Ich lese zur Zeit auch nur gebannt mit, wollte aber wenigstens dies mal kurz mitteilen.


  3. Die zwei Herzen danken beide von eben jenen Organen, also den ganzen Organen halt.

    Lese gerade fleißig (und gebannt), weil ich die letzten Tage wegen der schlafenden Schönheit hinter mir auf dem Bett zu nix gekommen bin… also blog-technisch, so lesen und schreiben uns so.

    Wünsch dir auch noch ne gute Zeit! Man sieht sich in nem knappen Monate auf heimatlichem Boden!

    Seb (und in schlafender Abwesenheit auch Christiane)


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