Am Donnerstag morgen war mein letzter Tag in Osaka angebrochen. Das war einmal schade, weil mir die Stadt in den paar Tagen schon ein wenig ans Herzen gewachsen war und ich das Gefuehl hatte, mich zumindest ein bisschen auszukennen; hauptsaechlich war es aber schade, weil ich jetzt wieder meinen Riesenrucksack packen und schnueren und vollstopfen musste.
Da ich keinen Bock hatte, zwei Taschen zu tragen, musste alles aus meinem kleinen Rucksack auch in den grossen. Nach ein paar Minuten wildem, verzweifeltem Einsatz durfte ich mir dann fuer meine Stopfarbeit selbst auf die bald schon wieder schmerzende Schulter klopfen, denn, ich sage das mal so frei heraus, das verfickte Dingen ist scheissenschwer.
Mit dem Stein auf dem Ruecken schwang ich mich in den Zug nach Nara, eine gute Stunde entfernt von Osaka. Dort wollte und sollte ich mir vor allem die zahlreichen Tempel und Schreine anschauen. Zunaechst holte ich mir von der Touristeninfo bei einer freundlichen Dame Karten und Tipps. Zufaellig sass eben genau diese Dame abends wieder neben mir im Zug nach Hiroshima und wir unterhielten uns bis zu ihrer Station nett und mit Haenden und Fuessen. Okay, also eher nett und mit Haenden. Keine Fuesse.
Naja, jedenfalls ging es ab mit dem Rucksack in ein gluecklicherweise freies Schliessfach und mit mir ueber die Spass-Touri-Meile (vollgestopft mit Souvenirlaeden, Fotogeschaeften, Restaurants, Cafes und Leuchtreklamen) von Nara in Richtung historischere Ecken.
Meine Tempeltour fuehrte mich zum Horyu-ji, zum Todai-ji (mit einem riesigen Buddha in dem groessten Holzgebauede der Welt) und zum Kasuga-Schrein (mit seinen 3000 Stein- und Bronzelaternen, sehr eindrucksvoll, leider nicht an) Tempeltour. Das war alles sehr eindrucksvoll, aber leider auch sehr touristig und voll.
Zum Glueck gab es auch immer wieder Oasen wie den Botanischen Garten, in den ich unverhofft stolperte und wo ich mich einfach in unglaublicher Stille (wenn man bedenkt, dass ein paar Meter weiter tausende Touris marschierten) an einen Steg setzen und die Fische beobachten konnte – geil.
Sehr cool waren auch die Sikahirsche, die im ganzen Tempelbereich und im Park von Nara unterwegs sind und alle Menschenscheu ablegt haben. Sie stehen in der Schlange zum Museum, gehen neben einem die Treppe hoch oder versuchen, Karte und/oder T-Shirt zu essen. Oh, und ich habe endlich meinen ersten Deutschen gesehen! Auf dem Weg zum Riesenbuddha bat er seine Tochter Maria eindringlich, den Papa auch mal beissen zu lassen.
Ein interessantes Erlebnis hatte ich vor dem Todai-ji. Ein aelterer japanischer Herr sprach mich auf Englisch an, fragte mich, woher ich sei und im naechsten Moment waren wir in eine zwanzigminuetige Diskussion ueber die Politik der USA, ueber Europa, Sauberkeit, Japan, Touristen und Reise verwickelt, an deren Ende mir der gute Mann versuchte, fuer 1000 Yen seine selbstverlegten Haikus und Kurzgeschichten zu verkaufen und mich erinnerte, amerikanische Produkte zu boykottieren. Na ja, ich hab dann zumindest die Haikus gekauft…
Inzwischen bin ich auch von der absoluten Freundlichkeit der Japaner ueberzeugt. Als ich verloren mit meiner Karte am Parkrand stand und versuchte, zum Bahnhof zurueckzukommen, sprach mich wiederum ein noch aelterer Japaner an, wo ich hin wolle. Auf meine Antwort hin bestand er direkt darauf, mir den Weg zu zeigen und mitzugehen. Minutenlang gingen wir mangels gegenseitiger Sprachunkenntnis schweigend nebeneinander her und ich rechnete schon fest damit, gleich ausgeraubt zu werden, da standen wir ploetzlich wieder an der Spassmeile und mein Retter zeigte geradeaus, verbeugte sich und verschwand…Dann der Schnelldurchlauf: Shinkansen fahren nach Hiroshima, Ueberraschung, denn hiert gibt es alte, schnuckelige Strassenbahnen statt U-Bahnen, kurzes Verlaufen auf dem Weg zum Hostel und dann Begeisterung: Traditionell japanische Zimmer wie bei Ryu in Tokyo fuer kleines Geld. Und wieder ein Balkon!
Abends schaute ich noch mit ein paar kanadischen Englischlehrern (sie verfolgen mich!) die geniale und mir bisher nicht bekannte Serie „Arrested Development“, die ich hiermit beantrage, nach meiner Rueckkehr mit Herrn Keller zu schauen, sofern er dies hier liest. Sonst aber auch.
November 10, 2006 um 12:51
na ob das deiner mutter gefällt?!
von der ausführlichen beschreibung des rucksackes mal abgesehen…. bis hin zu zu den haikus für 1000 euro (ich hoffe das ist zumindest ein kommafehler in der zahl!)
) weiter so… ps: gerade vor ein paar minuten hatte ich mit antek das thema „old school“ (der film)… möglicherweise fällt DIR ein wem ich diesen film vor knapp 3 (in worten DREI!!!!) monaten ausgeliehen hab!?!?!?!?
November 10, 2006 um 2:41
was soll meiner mutter gefallen? UND: YEN, YEN, Yen, ich meinte natuerlich Yen!
ps. Old School? Nie gehoert…
November 10, 2006 um 3:12
Hi Christian, was sind denn Haikus, kann man das rauchen?
Grüße von meinen Mädels und aus Herten
Thomas
November 11, 2006 um 6:37
Also mir gefällt alles, besonders die kontemplative Szene am Fischteich. Gut, die Wortwahl hat Optimierungspotential. Und, lieber Bruder: Haikus werden erst gelesen und dann geraucht, deshalb sind sie auch so teuer.
Paderborner Grüße von deiner fischfreien Mutter
November 21, 2006 um 7:45
hehe, klar lese ich das! den plan werden wir direkt in die tat umsetzen, wenn du wieder da bist!