Nagoya war, in der Rueckschau, eine Zeit etwas abseits des reinen touristischen Rumlaufens und Fotografierens. Ich sage das ohne die geringste Spur des Bedauerns, so sehr mir die vorausgegangenen Tage mit ihrem vollen kultur- und geschichtstraechtigen Programm auch zugesagt haben.
Weil Ryu ja knechten war, traf ich mich morgens mit Akiko. Unsere erste Station des komplett und genial von ihr gestalteten Tages war eine Art Toepfereimuseum. Doch wir wollten hier nicht in der Vergangenheit schwelgen, nein, wir wollten der Zukunft ins Auge sehen, wir wollten schaffen, wir wollten MEHR. Kurz: Wir wollten toepfern. Kein Problem in der museumseigenen Werkstatt. Ausgeruestet mit unserer ganz eigenen Tuete Ton setzten wir uns dem Toepfermeister gegenueber. Dessen japanischen Anweisungen uebersetzte Akiko meisterhaft fuer mich, seine visuelle Vorfuehrung der Herstellung einer Schale konnte ich ganz alleine nicht verstehen.
Als es dann ans selber machen ging, taten wir uns beide erst mal etwas schwer, aber dank der immerwaehrenden Unterstuetzung des Maestro war ich nach knapp anderthalb Stunden kreativer Schoepfer einer kleinen, schlichten, feinen Tonschale, Akiko hatte die etwas gewagtere Variante in Blumenform gewaehlt. In einem Monat ist das ganze dann fertig gebrannt und getrocknet und soll mir netterweise auf dem Postwege zugehen. Mal schauen…
Auf dem Gelaende des Museums wurde ich kurz darauf auch Teezeremonie-entjungfert. Unsere Zeremonie wich leicht von den recht strengen Regeln ab, die sich bei unseren Freunden von Wikipedia finden. Wir suchten uns zuerst aus einem Katalog eine Teetasse aus. Es gab viele handgefertigte Tassen lokaler Kuenstler. Der Katalog wird alle zwei Monate ausgetauscht, denn es gibt immer nur Tassen von jeweils den Kuenstlern, die in den jeweiligen Monaten Geburtstag haben (also in unserem Fall Oktober und November). Dann servierte die Zeremonienmeisterin unter viel Verbeugen eine kleine Suessigkeit. Akiko ermahnte mich noch, ob der erwarteten Bitterkeit des Tees etwas davon „zum Nachspuelen“ aufzubewahren. Dann kamen auch schon die Tassen. Wie vorgeschrieben nahmen wir die Tassen mit der Vorderseite zu uns gerichtet in Empfang, drehten sie um ein Viertel im Uhrzeigersinn, tranken den (gerade richtig unbitteren…) Tee (eine Hand unter die Tasse, eine rechtss an die Seite), drehten die Tassen wieder zu uns, betrachteten sie und drehten sie mit der Vorderseite zu unser Gastgeberin, die uns bei dem einen oder anderen Schritt sehr nett und hilfreich zur Seite stand. Danach lud sie uns ein, das Teehaus und seinen Garten zu besichtigen. Mich hat die ganze Zeremonie irgendwie… beruehrt, denn sie strahlt sehr viel Ruhe, Gelassenheit, Genauigkeit und Tradition aus. Man wird selber sehr ruhig und nimmt vieles genauer wahr. Hoert sich ein bisschen nach Drogen an, merk ich grad…
Die dritte Station des Nagoya-Erlebnistages war das Toyota-Museum. Der Automacher Toyota (benannt nach Herrn Toyoda) hat seinen Hauptsitz in Nagoya und sich selbst und dem Automobil als solches ein Andenken in der Stadt gesetzt. Weil es schon recht spaet war, mussten wir etwas durch die Ausstellung hetzen, aber fuer ein Augenleuchten bei Herrn Benzens erstem Auto und bei den zahlreichen US-Strassenkreuzern hat es doch noch gereicht…
Schliesslich traf ich noch Akikos Grossmutter, die mehr noch mehr leckeren (ich kann kaum glauben, dass ich das schreibe) Tee und Suessigkeiten kredenzte und mich per Dolmetscherin Akiko ordentlich, aber sehr nett ausquetschte… da blieb mir am Abend nur noch der Weg ins Hostel und ein weiteres heisses Bad.