— Zunaechst mal zur Erlaeuterung: Mutter Teresa war letzte Woche in was fuer einer Verfassung? Genau, einer relativ schlechten… wie meine Kamera! (Okay, man koennte religioeserweise argumentieren, sie sei eigentlich sogar in der besten Verfassung, weil an der Seite des Herrn etc. Aber das kann man nun wirklich nicht von meiner Kamera behaupten, dass sie irgendwie paradiesisch… oder so…) —
Jeden Tag eine gute Tat. Oder jeden Tag etwas neues? Passt auch nicht ganz. Egal. Jedenfalls habe ich am Dienstag zumindest auf japanischem Boden etwas neues ausprobiert: Ich habe Kyoto per Rad erkundet. Das ist einerseits vielleicht einfacher, als in den USA radzufahren, wo man Glueck hat, wenn man nicht a) angefahren oder b) als asozial angesehen wird - andererseits aber auch recht tricky. Denn in Kyoto (ich nehme einfach mal an, das ist in fast ganz Japan so) fahren die Menschen auf dem Buergersteig Rad. Und dort gibt es nur ab und zu mal einen getrennten Radweg. Wenn es ihn denn gibt, dann schenken ihm die Fussgaenger hier ungefaehr soviel Beachtung wie die Menschen im Dortmunder Kreuzviertel den Buergersteigen: Naemlich keine (die gehen naemlich alle auf der Strasse, aber das ist eine andere Geschichte). Und manchmal ist der Buergersteig ungefahr einen Meter breit und trotzdem schlaengeln sich faszinierenderweise Fussgaenger und Radfahrer in beiden Richtungen unfallfrei aneinander vorbei. Ich habe mal die Theorie aufgestellt, dass das dazu passt, dass in Japan nun mal ueberall wenig Platz ist und die Leute in allen Bereichen gelernt haben, aufeinander Ruecksicht zu nehmen und den zur Verfuegung stehenden Platz so effektiv wie moeglich zu nutzen.
Also, trotz des skeptischen Blicks des Mannes an der Hostel-Rezeption, an der ich mir fuer 500 Yen ein schmuckes Rad mit schmucken Koerbchen vorne dran lieh (ich merk grad, dass ich nie mein USB-Kartenlesegeraet dabei habe, wenn ich mal Fotos hochladen koennte…), machte ich mich zunaechst auf den Weg quer durch die Stadt. Nach 45 an sich recht lockeren, teilweise aber bergauf-en Minuten kam ich schliesslich an meinem ersten Ziel an, dem Kinkaku-ji. Dieser sogenannte „goldene Pavillion“ zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er… tja… eben golden erstrahlt. Die ersten beiden Etagen sind mit Blattgold belegt und das lockte natuerlich nicht nur mich sondern auch wieder mal hunderte meiner Mittouristen. Ich glaube da gewoehne ich mich nicht mehr dran, an das Gedraenge und Rumfotografiere, das Gerenne und Gerufe… ich weiss, ein bisschen trage ich ja auch dazu bei, als Tourist. Trotzdem koennte ich glaube ich viele Orte besser geniessen, wenn es leerer waere.
Naja, meine naechsten beiden Ziele lagen auch in extrem fahrradfreundlicher Naehe, „die Strasse runter“ trifft es ganz gut. Dort besuchte ich den Zen-Garten Ryoan-ji, in dem 15 Felsen liegen, umgeben von sorgfaeltig in Muster geharkten Kies. Wer warum und wie diesen Garten vor knapp 600 Jahren angelegt hat, ist ein Mysterium. Aber ein schoenes, beruhigendes, wie ich festgestellt habe. Ziel zwei „um die Ecke“ war der Ninna-ji, an dem eigentlich nur die fuenfstoeckige Pagode (so ein Turm halt) wirklich nett anzuschauen war.
Mein Mittagessen am Nachmittag in einem kleinen Restaurant bestellte ich wieder mit der traditionellen Touristen-Methode Mit-Dem-Finger-Auf-Das-Foto-In-Der-Speisekarte-Zeigen und radelte weiter zum Nijo-Schloss. Das hatte vor allem ein Highlight zu bieten: Das Nachtigallen-Parkett. Denn der Erbauer des Schlosses, der Shogun Tokugawa Ieyasu, war sich seiner offenbar zahlreichen Feinde bewusst und baute als eine der zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen Dielenbretter in den Flur des Schlosses, die bei der geringsten Beruehrung ein Quietschgeraeusch verursachen, das wie Vogelgezwitscher klingt. Ich habe es probiert, da ging GAR nichts (ohne zu quietschen halt). Mit einer Ausstellung zahlreicher Statuen und Wandgemaelde aus dem Schloss liess ich den kulturellen Teil des Tages ausklingen und stuerzte mich auf wichtige Dinge wie Bummeln, Abendessen, Internetcafe besuchen, Fernseh gucken, Buch lesen und Bier trinken.
Auf dem Weg zurueck zum Hostel erinnerte mich mein Gesaess bzw. auch mein Arsch dann schmerzhaft daran, dass der Sattel ungleich haerter ist als der meines Fahrrads in Dortmund und ich ein verweichlichter Schlumpf bin. Ich begann, mit meinem Arsch zu streiten, doch wir entwickelten keine rechte Energie und es blieb bei einigen unflaetigen Beschimpfungen.
PS. Danke fuers Lob, Frau Komander. Irgendwie hat Sebastian mich ja auch zum Blog-Schreiben animiert, so indirekt.
November 23, 2006 um 2:38
die klare definition zwischen arsch und gesaess würde ich gerne nochmal erklärt haben.
abgesehen davon war es bestimmt recht amüsant – ich hoffe du warst alleine währenddessen, und nicht im 8er zimmer – wie ihr beiden, also dein arsch und du, ihr euch streitet! die forderung nach weiterem – besonders DIESEM – bildmaterial steht!!!
Dezember 4, 2006 um 11:53
hehe=)
Januar 14, 2007 um 1:53
Wow. Das hört sich so toll an. Jetzt hab ich endlich mal wieder Zeit und Muße hier reinzugucken und lese quer.
Der Unterschied zwischen Arsch und Gesaess interessiert mich auch, denn das war der einzig irritierende Satz in dem schmucken (vergoldeten) Text.
LG,
tinka
Juni 24, 2007 um 8:38
ford dealer houston tx
Februar 25, 2008 um 1:45
Kristina ist mal wieder hier in den Blog gestolpert und bedauert erneut, dass sie ein paar Einträge verpasst hat, ist aber auch froh, dass sie so eifrig kommentiert hat, als es losging und die Flugschlafangst noch sehr akut war
;-*