Japans Bonn

November 24, 2006

Wer Kyoto etwas boeses und der ehemaligen deutschen Hauptstadt etwas sehr gutes will, der koennte sagen: Kyoto ist das Bonn Japans. Denn von 794 bis 1868, also ueber tausend Jahre lang, war die Stadt Japans Hauptstadt. Dann wurde diese Ehre Tokyo zuteil und mit dem Hauptstadttitel zog auch der kaiserliche Palast weiter, wie der Bundestag. Okay, ich merke schon, das mit dem Vergleich passt wie zu enge Schuhe.

Jedenfalls stehen auch heute noch die zuletzt als Palast genutzten Gebaeude in einem grossen Park in Kyoto und auch heute wird noch recht viel Zauber um die Anlage gemacht. Wer sie als Auslaender per offizieller Fuehrung besichtigen moechte, so wie ich heute, der muss sich unter Vorlage des Reisepasses eine Genehmigung zum Betreten der Anlage bei der Imperial Household Agency holen. Das ganze scheint wohl mehr eine Formalitaet zu sein, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass viele dort einen „Abgelehnt“-Stempel auf das Formular bekommen. Trotzdem hat das ganze doch ein bisschen etwas von einer Einwanderung in ein anderes Land.

Weil meine Fuehrung erst um 14 Uhr los ging, fuhr ich erst wieder in die Stadt, um mich wichtigen touristischen Aktivitaeten wie Kaffee trinken, Zeitung lesen, Fotos machen, Buecher kaufen und Tempel angucken. In diesem Fall sollten es der Nishi-hongan-ji und der Higashi-hongan-ji werden, einmal der West- und einmal der Ost-hongan-ji. Leider stellte sich heraus, dass ich tatsaechlich ein Schluri bin, denn den Osttempel hatte mir schon Mr. Hillwalker gezeigt. Naja, der Westtempel war auch recht… nett.

Um 14 Uhr stand ich dann am Imperial Palace auf der Matte, liess eine einstuendige Fuehrung in teilweise recht schwer verstaendlichen Englisch ueber mich ergehen, fand, dass ein Grossteil des Reizes, der von der Palastanlage ausging, einfach nur von dem Brimborium kam, der um sie gemacht wurde und lauschte zwei Oesterreichern (eventuell moegen es auch bayrische Mitbuerger gewesen sein), wie sie ihre Alm-Erfahrungen austauschten.

Der Rest vom Fest: Zurueck ins Hostel, Waesche waschen, lesen und Abendessen in einem Restaurant inklusive einer sehr netten Unterhaltung mit meinem japanischen Tischnachbarn, der mir Reiseanekdoten von den Philippinen erzaehlte und mir wegen meines relativ geschickten Umgangs mit den Essstaebchen komplementierte.

Morgen Mittag geht es dann auf meine letzte Japan-Etappe nach Tokyo. Schoen, dass ihr immer noch mitlest und kommentiert. Ich freue mich auch ueber Anika, die, soweit ich das blicke, die erste „externe“, mir unbekannte ist, die sich hier meldet. Und, naja, seit ich meinen Top-100-Blog-Erfolg erwaehnt habe, scheint es in der Tabelle rapide bergab zu gehen… :)

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