So, jetzt sitze ich im Internetcafe und ich kann mich mal wieder etwas laenger fassen.
Der Vollstaendigkeit halber sei zum Freitag Abend noch bemerkt, dass es an ihm a) “meinen“ ersten japanischen Regen gab – und das gleich die ganze Nacht lang bis morgens und b) fuer mich die Moeglichkeit gab, das erst Mal Waesche zu waschen. Um die Ecke meines Hiroshima-Hostels war naemlich ein Waschsalon. Ich war erst leicht besorgt, ob ich mit der Bedienung einer komplett in japanisch gehaltenen Waschmaschine nicht ueberfordert sein koennte. Da es aber nur einen Muenzschlitz mit einer „100″ daneben und einen einzigen Knopf gab, zerstreuten sich meine Bedenken rasch. Der einzige andere Gast, ein grosser Japaner im weissen Plastiktrainingsanzug war auch sehr nett (und hauptsaechlich schweigsam), so dass ich mich in Ruhe danebensetzen konnte und auf meine Waesche warten.
Oh, und schon wieder ein Deutscher! Dieses Mal ein Frankfurter im Hostel, fuer mehr als ein zwei-Minuten-Gespraech in der Kueche hat es aber nicht gelangt. Und wir haben uns noch nicht mal unsere Namen gesagt, wir ungehobeltes Pack.
Als ich am Samstag aufwachte, regnete es leider noch. Nach Miyajima wollte ich trotzdem, allein schon wegen des erwaehnten „schoenster Ort“-Status. Und mein Mut wurde belohnt, denn als ich mich zur Strassenbahn aufmachte, hoerte es direkt auf zu regnen. Ich fuhr zum Bahnhof, dann mit dem Zug zum Faehranleger-Bahnhof, von dem es noch mal gut fuenf Minuten Fussweg zur Faehre waren. Zu meiner Ueberraschung und meinem Glueck gehoerte die Faehre der Bahngesellschaft und so konnte ich sie mit meinem Rail-Pass benutzen.
Der Ort hielt tatsaechlich das Versprechen, dass das Label „einer der drei schoensten Orte Japans“ ihm gab, das war schon vom Schiff aus zu sehen. Viel gruen, Berge, das Meer, ein kleiner Strand, kleine Gaesschen und vor allem der Schrein mit dem Tor mitten im Wasser – grosses Kino. So ein bisschen leider war das ganze SO schoen und das Wetter wurde auch noch besser, so dass hunderte bis tausende von vornehmlich japanischen Touristen mit mir die Insel bevoelkerten. Inzwischen habe ich einen gesunden Hass auf Leute entwickelt, die mir beim Fotografieren ins Bild taumeln.
Auch Miyajima ist uebrigens von vielen zahmen Rehen bevoelkert, so dass ich wieder auf meine Habseligkeiten acht geben musste. Ich konnte einen sehr schoenen Schnappschuss von einem Reh machen, dass mit dem Kopf im Muelleimer nach Essen sucht (klar, rehsozialtechnisch natuerlich ein kritisch-brisanter Schnappschuss, aber an sich halt schoen…).
Meine zweite Station auf Miyajima war das Aquarium, natuerlich inklusive Delphine gucken und einer Standard-Seehundschau, die ueberall auf der Welt gleich aufgebaut zu sein scheint. Das einzige Element, das ich noch nicht kannte, war der Seehund, der auf einem ueberdimensionalen Klavier gespielt hat. Na ja. Andere Laender, aehnliche Sitten…
Am Nachmittag holte ich schliesslich mein Gepaeck im Hostel ab und machte mich wieder auf dem Weg zum Hauptbahnhof von Hiroshima. Die Fahrt nach Nagasaki dauerte insgesamt vier Stunden und beim Umsteigen gab es noch ne angenehme Ueberraschung: Mein Rail Pass galt doch fuer den zweiten Teil der Strecke, so dass ich inklusive der Rueckfahrt am Montag knapp 20 000 Yen (180 Euro) gespart habe.