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Noch mal mehr Miyajima

November 12, 2006

So, jetzt sitze ich im Internetcafe und ich kann mich mal wieder etwas laenger fassen.

Der Vollstaendigkeit halber sei zum Freitag Abend noch bemerkt, dass es an ihm a) “meinen“ ersten japanischen Regen gab – und das gleich die ganze Nacht lang bis morgens und b) fuer mich die Moeglichkeit gab, das erst Mal Waesche zu waschen. Um die Ecke meines Hiroshima-Hostels war naemlich ein Waschsalon. Ich war erst leicht besorgt, ob ich mit der Bedienung einer komplett in japanisch gehaltenen Waschmaschine nicht ueberfordert sein koennte. Da es aber nur einen Muenzschlitz mit einer „100″ daneben und einen einzigen Knopf gab, zerstreuten sich meine Bedenken rasch. Der einzige andere Gast, ein grosser Japaner im weissen Plastiktrainingsanzug war auch sehr nett (und hauptsaechlich schweigsam), so dass ich mich in Ruhe danebensetzen konnte und auf meine Waesche warten. 

Oh, und schon wieder ein Deutscher! Dieses Mal ein Frankfurter im Hostel, fuer mehr als ein zwei-Minuten-Gespraech in der Kueche hat es aber nicht gelangt. Und wir haben uns noch nicht mal unsere Namen gesagt, wir ungehobeltes Pack.

Als ich am Samstag aufwachte, regnete es leider noch. Nach Miyajima wollte ich trotzdem, allein schon wegen des erwaehnten „schoenster Ort“-Status. Und mein Mut wurde belohnt, denn als ich mich zur Strassenbahn aufmachte, hoerte es direkt auf zu regnen. Ich fuhr zum Bahnhof, dann mit dem Zug zum Faehranleger-Bahnhof, von dem es noch mal gut fuenf Minuten Fussweg zur Faehre waren. Zu meiner Ueberraschung und meinem Glueck gehoerte die Faehre der Bahngesellschaft und so konnte ich sie mit meinem Rail-Pass benutzen.

Der Ort hielt tatsaechlich das Versprechen, dass das Label „einer der drei schoensten Orte Japans“ ihm gab, das war schon vom Schiff aus zu sehen. Viel gruen, Berge, das Meer, ein kleiner Strand, kleine Gaesschen und vor allem der Schrein mit dem Tor mitten im Wasser – grosses Kino. So ein bisschen leider war das ganze SO schoen und das Wetter wurde auch noch besser, so dass hunderte bis tausende von vornehmlich japanischen Touristen mit mir die Insel bevoelkerten. Inzwischen habe ich einen gesunden Hass auf Leute entwickelt, die mir beim Fotografieren ins Bild taumeln.

Auch Miyajima ist uebrigens von vielen zahmen Rehen bevoelkert, so dass ich wieder auf meine Habseligkeiten acht geben musste. Ich konnte einen sehr schoenen Schnappschuss von einem Reh machen, dass mit dem Kopf im Muelleimer nach Essen sucht (klar, rehsozialtechnisch natuerlich ein kritisch-brisanter Schnappschuss, aber an sich halt schoen…).

Meine zweite Station auf Miyajima war das Aquarium, natuerlich inklusive Delphine gucken und einer Standard-Seehundschau, die ueberall auf der Welt gleich aufgebaut zu sein scheint. Das einzige Element, das ich noch nicht kannte, war der Seehund, der auf einem ueberdimensionalen Klavier gespielt hat. Na ja. Andere Laender, aehnliche Sitten…

Am Nachmittag holte ich schliesslich mein Gepaeck im Hostel ab und machte mich wieder auf dem Weg zum Hauptbahnhof von Hiroshima. Die Fahrt nach Nagasaki dauerte insgesamt vier Stunden und beim Umsteigen gab es noch ne angenehme Ueberraschung: Mein Rail Pass galt doch fuer den zweiten Teil der Strecke, so dass ich inklusive der Rueckfahrt am Montag knapp 20 000 Yen (180 Euro) gespart habe.

Nur mal kurz Miyajima

November 11, 2006

Leider muss ich mich heute kurz fassen, denn mein Hostel in Nagasaki, wo ich gerade angekommen bin, hat ein15-Minuten-Internetlimit. Ich weiss zwar nicht, wie das gehandhabt wird, wenn ich beispielsweise gleich aufstehe und mich dann nach sagenwirmal zehn Minuten wieder hinsetze… sonst ist hier naemlich grad keiner, der aufs Netz wartet. Aber ich moechte das 14jaehrige Maedchen hinter dem Tresen auch nicht unnoetig provozieren oder in Verlegenheit bringen, darum muesst ihr euch heute selbst einmal ein bisschen ueber Miyajima informieren, die kleine Insel vor Hiroshima, die hochoffiziell zu den drei schoensten Orten Japans gehoert.

Welches allerdings die anderen beiden sind und wer sowas eigentlich genau wie festlegt, kann ich euch leider gerade auch nicht verraten. Wenn ich mal wieder auf einen gnaedigeren Internetinhaber stosse, gibt es auch wieder mehr Infos. Bleibt also weitgehend sauber! ;)

Gute Ausstellung, schlechte Ausstellung

November 10, 2006

Gleich vorweg geht ein Gruss an zwei wiedervereinigte Herzen irgendwo an der amerikanischen Ostkueste: Habt viel Spass! :)

Heute morgen ging es nach exzellenter Nacht auf japanischen Futons und meiner ersten Aufrecht-Dusche seit ich hier bin (die Japaner duschen sonst im Sitzen, also nicht auf dem Boden, sondern so stuhlartig) machte ich mich auf den Weg an den Ort, der Hiroshima und seine Einwohner seit ueber 60 Jahren praegt und beeinflusst: Den Park, der heute an der Stelle steht, an der am 8. August 1945 um 8.15 Uhr Ortszeit die erste Atombombe explodierte, die zu Kriegszwecken eingesetzt wurde.

Haupt“attraktion“ des Parks ist neben zahllosen Monumenten fuer die hunderttausenden Opfer vor allem die ehemalige Industrie- und Handelskammer, deren Ruine heute noch als Mahnmal am einen Ende des Parks steht, genau so, wie sie kurz nach Explosion der Bombe aussah.

Die Gaensehaut, die man beim Betrachten und umgehen der Ruine bekommt, kann man anschliessend im Atombombenmuseum ausweiten. Besonders krass fand ich Austellungsstuecke von Kindern, die bei der Explosion oder danach ums Leben gekommen waren. Schulinformen, Taschen, Schuhe mit Fussabdruck, aber auch Fingernaegel, Haare oder abgefallene Hautstuecke (!), die die Eltern zum Andenken an ihre Kinder aufbewahrt haben. Ich bin wirklich von einer Heftigkeit in die naechste gelaufen und finde es trotzdem nach wie vor nur sehr schwer vorstellbar, wie das alles gewesen sein muss.

Im Park selbst fand ich noch ein paar Baeume spannend, die bei der Explosion ziemlich was abbekommen haben und teilweise von ihnen ausgebrannt sind, sich aber trotzdem offenbar berappelt haben und aller Strahlung und allen duesteren Prognosen zum Trotz (Nach der Bombe ging in Hiroshima das Geruecht um, es wuerde 75 Jahre lang nichts mehr wachsen) gruenen und spriessen.

Insgesamt habe ich fast fuenf Stunden im Park und im Museum verbracht und fand es keine Sekunde langweilig oder zuviel. Einfach nur spannend, schrecklich, informativ, unheinlich, traurig.

Weil ich von dieser Ausstellung so beeindruckt war, fiel wohl auch mein Eindruck von meinem zweiten Ziel etwas magerer aus: Das Schloss von Hiroshima. Zunaechst bin ich erst mal von der falschen Seite um den Burggraben gelaufen, musste also einmal ganz herum und befuerchtete schon, ich koennte genau so zu spaet sein wie schon beim Schloss in Osaka.

Aber es war a) noch auf, b) ziemlich leer und c) etwas zusammenhanglos, zumindest die Ausstellung. Das Schloss wurde uebrigens auch von der Atombombe zerstoert und 1959 (relativ) originalgetreu wieder aufgebaut. Meine Highlights: Die Aussichtsplattform im fuenften Stock und die Umzieh-Ecke im ersten Stock, wo man alte Ritterkostueme, Helme und Kimonos anprobieren konnte. Also, theoretisch.

So, jetzt geh ich was essen, meine geplagten Fuesse hochlegen und Waesche waschen.

Tempeltour in Nara

November 10, 2006

Am Donnerstag morgen war mein letzter Tag in Osaka angebrochen. Das war einmal schade, weil mir die Stadt in den paar Tagen schon ein wenig ans Herzen gewachsen war und ich das Gefuehl hatte, mich zumindest ein bisschen auszukennen; hauptsaechlich war es aber schade, weil ich jetzt wieder meinen Riesenrucksack packen und schnueren und vollstopfen musste.

Da ich keinen Bock hatte, zwei Taschen zu tragen, musste alles aus meinem kleinen Rucksack auch in den grossen. Nach ein paar Minuten wildem, verzweifeltem Einsatz durfte ich mir dann fuer meine Stopfarbeit selbst auf die bald schon wieder schmerzende Schulter klopfen, denn, ich sage das mal so frei heraus, das verfickte Dingen ist scheissenschwer.

Mit dem Stein auf dem Ruecken schwang ich mich in den Zug nach Nara, eine gute Stunde entfernt von Osaka. Dort wollte und sollte ich mir vor allem die zahlreichen Tempel und Schreine anschauen. Zunaechst holte ich mir von der Touristeninfo bei einer freundlichen Dame Karten und Tipps. Zufaellig sass eben genau diese Dame abends wieder neben mir im Zug nach Hiroshima und wir unterhielten uns bis zu ihrer Station nett und mit Haenden und Fuessen. Okay, also eher nett und mit Haenden. Keine Fuesse.

Naja, jedenfalls ging es ab mit dem Rucksack in ein gluecklicherweise freies Schliessfach und mit mir ueber die Spass-Touri-Meile (vollgestopft mit Souvenirlaeden, Fotogeschaeften, Restaurants, Cafes und Leuchtreklamen) von Nara in Richtung historischere Ecken.

Meine Tempeltour fuehrte mich zum Horyu-ji, zum Todai-ji (mit einem riesigen Buddha in dem groessten Holzgebauede der Welt) und zum Kasuga-Schrein (mit seinen 3000 Stein- und Bronzelaternen, sehr eindrucksvoll, leider nicht an) Tempeltour. Das war alles sehr eindrucksvoll, aber leider auch sehr touristig und voll.

Zum Glueck gab es auch immer wieder Oasen wie den Botanischen Garten, in den ich unverhofft stolperte und wo ich mich einfach in unglaublicher Stille (wenn man bedenkt, dass ein paar Meter weiter tausende Touris marschierten) an einen Steg setzen und die Fische beobachten konnte – geil.

Sehr cool waren auch die Sikahirsche, die im ganzen Tempelbereich und im Park von Nara unterwegs sind und alle Menschenscheu ablegt haben. Sie stehen in der Schlange zum Museum, gehen neben einem die Treppe hoch oder versuchen, Karte und/oder T-Shirt zu essen. Oh, und ich habe endlich meinen ersten Deutschen gesehen! Auf dem Weg zum Riesenbuddha bat er seine Tochter Maria eindringlich, den Papa auch mal beissen zu lassen.

Ein interessantes Erlebnis hatte ich vor dem Todai-ji. Ein aelterer japanischer Herr sprach mich auf Englisch an, fragte mich, woher ich sei und im naechsten Moment waren wir in eine zwanzigminuetige Diskussion ueber die Politik der USA, ueber Europa, Sauberkeit, Japan, Touristen und Reise verwickelt, an deren Ende mir der gute Mann versuchte, fuer 1000 Yen seine selbstverlegten Haikus und Kurzgeschichten zu verkaufen und mich erinnerte, amerikanische Produkte zu boykottieren. Na ja, ich hab dann zumindest die Haikus gekauft…

Inzwischen bin ich auch von der absoluten Freundlichkeit der Japaner ueberzeugt. Als ich verloren mit meiner Karte am Parkrand stand und versuchte, zum Bahnhof zurueckzukommen, sprach mich wiederum ein noch aelterer Japaner an, wo ich hin wolle. Auf meine Antwort hin bestand er direkt darauf, mir den Weg zu zeigen und mitzugehen. Minutenlang gingen wir mangels gegenseitiger Sprachunkenntnis schweigend nebeneinander her und ich rechnete schon fest damit, gleich ausgeraubt zu werden, da standen wir ploetzlich wieder an der Spassmeile und mein Retter zeigte geradeaus, verbeugte sich und verschwand…Dann der Schnelldurchlauf: Shinkansen fahren nach Hiroshima, Ueberraschung, denn hiert gibt es alte, schnuckelige Strassenbahnen statt U-Bahnen, kurzes Verlaufen auf dem Weg zum Hostel und dann Begeisterung: Traditionell japanische Zimmer wie bei Ryu in Tokyo fuer kleines Geld. Und wieder ein Balkon!

Abends schaute ich noch mit ein paar kanadischen Englischlehrern (sie verfolgen mich!) die geniale und mir bisher nicht bekannte Serie „Arrested Development“, die ich hiermit beantrage, nach meiner Rueckkehr mit Herrn Keller zu schauen, sofern er dies hier liest. Sonst aber auch.