Liebe gebannte Leserinnen und Leser!
Nachdem ich gestern Vormittag noch im Nagasaki Atomic Bomb Museum und im dazugehoerigen Peace Park war (beides uebrigens kleiner, aber fuer mich auch irgendwie eindrucksvoller als Hiroshima. Vielleicht, weil bis auf die Schulkinder weniger Touris da waren), setzte ich mich mittags in den Zug nach Kobe. Kobe ist jetzt nicht SO die irre Sightseeing-City und sollte auch eigentlich nur ein entspannter Zwischenstopp auf dem Weg nach Nagoya werden. Denn mit ueber fuenf Stunden war die Zugfahrt auch so lang genug.
Gegen 17:30 in Kobe angekommen wollte ich EIGENTLICH nur noch eben Geld ziehen und mich dann vom vortrefflichen Pick-Up-Service meines wirklich vortrefflichen Hostels abholen lassen. „Aber, so fragte ich mich ploetzlich, vor dem Geldautomat stehend, WIE lautet eigentlich noch einmal genau deine PIN-Nummer?“ Vor meinem geistigen Auge enstand eine vierstellige Zahlenkombination und mutig tippte ich sie ein. Mutig tippte ich sie noch mal ein. Ein drittes Mal traute ich mich nicht mehr und so setzte ich mich erst mal in die S-Bahn zu der Station, an der ich abgeholt werden sollte. Da versuchte ich es dann (ueber)mutig ein drittes Mal… vergeblich. Aber immerhin wurde die Karte nicht einbehalten…
Ungetruebten Mutes dachte ich mir: „Ha. Dann nimmst du einfach erst mal deine Mastercard!“ – „Ha“, sagte da meine innere Stimme, die mir stets ueberlegen scheint, besser Auto faehrt und bei den Frauen erfolgreicher ist, „wie GENAU lautet eigentlich die PIN-Nummer deiner MasterCard?“ Ich streckte die Waffen und Karten und setzte mich erst mal in Bewegung und kurz darauf ins Auto der beiden Hostel-Damen, die mich abholten. Mit dem Funken Hoffnung, dass ich die Botschaften, die mir die Geldautomaten uebermittelt hatten, fehlinterpretiert hatte, hielten wir noch einmal an zwei Banken und ich probierte die EC-Karte – vergeblich.
Im Hostel angekommen gab ich der Chefin erst mal mein letztes Geld fuer das Zimmer, immer in der Hoffnung, es wuerde ja gleich welches nachkommen… irgendwie. Inzwischen war es gegen 19 Uhr. Ich lieh mir peinlicherweise ein bisschen von dem Zimmergeld wieder und besorgte mir eine Telefonkarte. Ich muss schon mal sagen, dass die beiden Hostel-Ladies echt die besten waren, sie halfen mir den ganzen Abend ueber. Erst mal erklaerten sie mir die Telefonkarte und ich schaffte es, bei der Sparkasse in Dortmund anzurufen. Der „freundliche“ junge Herr (arbeiten da eigentlich nur noch Leute unter etwa 22?) versicherte mir direkt, ohne Fax mit Persokopie und Unterschrift wuerde da GAR nix laufen.
Also: Mit japanischer Begleitung wieder ab zum 24-Stunden-Store, Perso kopiert, gefaxt? Ging nicht, keine internationalen Faxe moeglich. Zurueck zum Hostel, Internetrecherche, mit meinen beiden Hostel-Feen zu einem Store etwa 10 Minuten entfernt gefahren, mit ihrer Hilfe ein Fax geschickt.
Zurueck zum Hostel, noch mal die Sparkasse angerufen, Auskunft: In einer halben Stunde ist das wieder gut. Inzwischen war mir auch mit ziemlicher Sicherheit meine PIN-Nummer wieder eingefallen. Trotzdem schrieb ich, einem Geistesblitz folgend, meiner Mitbewohnerin eine Mail, mir war naemlich eingefallen, wo ich die Mastercard-PIN verschluesselt aufbewahrt hatte.
Heute morgen hatte sie mir dann auch tatsaechlich zurueckgeschrieben (an dieser Stelle noch mal danke, Kathi!!!) – und zum Glueck: Denn mein erster Besuch am Automaten liess meine Seele aufjaulen: Diese (Augen zuhalten!) Drecksficker von der Sparkasse hatten NIX freigeschaltet. Doch mit der Mastercard konnte ich nach arg nervoesen 17 Stunden endlich meine Geldnot loesen. Zwischendurch hatte ich mich ehrlich gesagt schon im deutschen Konsulat gewaehnt…
Denn Rest des Tages schlenderte, flanierte, ja tigerte ich geradezu durch Kobe: Sonnte mich am Hafen, genoss die Aussicht ueber die Stadt vom Port Tower, schaute mir Chinatown an, speiste in einem chinesischen Restaurant, dessen Flyer-Verteiler mehr deutsch sprach als ich japanisch und bummelte durch die Einkaufsstrasse. Dabei kaufte ich dann in einem Spezialitaetenladen eine Packung Ferero Rocher als Dank fuer meine Hostel-Helferinnen.
Gleich geht es nach Nagoya, wo ich mich mit Ryutaro treffe.
Oh, und natuerlich danke an meine Mama fuer den Blasentipp. Ich habe es todesmutig probiert und es tut zwar noch etwas weh, aber heute war bedeutend besser…