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Deutscher Musikroboter

November 18, 2006

Am Freitag sollte ich mich schliesslich mit Nanako treffen, auch sie wohnt in Nagoya und auch sie war mit mir in Iowa. Nachdem ich aus meinem Traum-Heiss-Baden-Ryokan ausgecheckt hatte, versuchte ich zunaechst vergeblich, Nanako anzurufen.

Also machte ich mich erst mal selbst auf den Weg zum Atsuta-jingu. Der Schrein aus dem dritten Jahrhundert gehoert zu den bedeutendsten Sakralbauten Japans, sagt mein Marco Polo. Denn hier liegt eines der drei kaiserlichen Hrrschaftsinsignien, das Schwert Kusanagi-no-Tsurugi. Sehen duerfen das aber nur der Kaiser hoechtspersoenlich und ein paar ganz wichtige Priesterchefs. So konnte ich mir aber doch wenigstens den Schrein an sich anschauen, der ziemlich weitlaeufig ist und von viel gruen umgeben. So eine Art Stadtpark mit gewaltiger Geschichte, koennte man sagen.Ein bisschen mehr dazu erzaehlen konnte mir ein Japaner, den ich vor dem Schrein traf und der seit 17 Jahren in London wohnt. Wir unterhielten uns eine Weile sehr nett, wanderten ueber das Gelaende und er erklaerte mir, dass die unzaehligen, in traditionelle Kostueme gewandten Kinder aufgrund eines alten Brauches mit ihren Eltern zum Fotos schiessen hier seien: Mit 3, 5 und 7 Jahren macht das wohl fast jedes japanische Kind mit, es soll Glueck und Erfolg in den folgenden Lebensabschnitten bringen (und sieht auch noch cool aus). 

Nach dem Mittagessen erreichte ich schliesslich Nanako und wir machten meinen Standard-Touri-Zwischenstopp am Stadtschloss. Nagoya-jo hatte als Besonderheit zwei riesige, goldene Delphinstatuen aufzuweisen, die am Dach befestigt und in ganz Japan bekannt sind. Auch klar: Aussichtsplattform, Blick ueber die ganze Stadt…

Der naechste Halt war wieder etwas ungewoehnlicher: Im frisch eroeffneten Robotermuseum gab es neben zahlreichen historischen Robotern auch interaktive Furbys, Roboterhunde, Roboterrobben UND in einer Sonderausstellung zwei deutsche, umprogrammierte Industrieroboter. Der eine konnte mit einer Kamera menschliche Umrisse speichern und diese im Scherenschnittformat auf eine Leinwand zeichnen, der andere, coolere, war so programmiert, dass er mit bestimmten Gelenkbewegungen Toene machen und so ganze Lieder spielen konnte. Und das es ja ein deutscher Roboter war, gab es auch Highlights wie „Die Gedanken sind frei“ oder “Guten Abend, gute Nacht“….

Dann bekam ich noch einen kurzen Einblick in die sagenumwobene japanische Karaokewelt, in der man mit mehren Leuten in einem kleinen Raum vor einem Risenfernseher sitzt, tausende Lieder zur Auswahl hat und auch mal acht Stunden so verbringt, offenbar… Na ja, zu einmal Britney Spears, einmal Christina Aguilera und einmal Support bei Nirvana hab ich mich dann auch hinreissen lassen… war ja im „kleinen Kreis“…

Schliesslich hab ich dann meine Riesenreisetasche aus Ryus Apartment geholt, hab ihn am Bahnhof getroffen und ab ging es im Shinkansen nach Osaka, wo ich die Nacht bei Ryutaros Eltern verbracht habe.

Toepfern, Teezeremonie, Toyota – der Alliterationsdonnerstag

November 18, 2006

Nagoya war, in der Rueckschau, eine Zeit etwas abseits des reinen touristischen Rumlaufens und Fotografierens. Ich sage das ohne die geringste Spur des Bedauerns, so sehr mir die vorausgegangenen Tage mit ihrem vollen kultur- und geschichtstraechtigen Programm auch zugesagt haben.

Weil Ryu ja knechten war, traf ich mich morgens mit Akiko. Unsere erste Station des komplett und genial von ihr gestalteten Tages war eine Art Toepfereimuseum. Doch wir wollten hier nicht in der Vergangenheit schwelgen, nein, wir wollten der Zukunft ins Auge sehen, wir wollten schaffen, wir wollten MEHR. Kurz: Wir wollten toepfern. Kein Problem in der museumseigenen Werkstatt. Ausgeruestet mit unserer ganz eigenen Tuete Ton setzten wir uns dem Toepfermeister gegenueber. Dessen japanischen Anweisungen uebersetzte Akiko meisterhaft fuer mich, seine visuelle Vorfuehrung der Herstellung einer Schale konnte ich ganz alleine nicht verstehen.

Als es dann ans selber machen ging, taten wir uns beide erst mal etwas schwer, aber dank der immerwaehrenden Unterstuetzung des Maestro war ich nach knapp anderthalb Stunden kreativer Schoepfer einer kleinen, schlichten, feinen Tonschale, Akiko hatte die etwas gewagtere Variante in Blumenform gewaehlt. In einem Monat ist das ganze dann fertig gebrannt und getrocknet und soll mir netterweise auf dem Postwege zugehen. Mal schauen…

Auf dem Gelaende des Museums wurde ich kurz darauf auch Teezeremonie-entjungfert. Unsere Zeremonie wich leicht von den recht strengen Regeln ab, die sich bei unseren Freunden von Wikipedia finden. Wir suchten uns zuerst aus einem Katalog eine Teetasse aus. Es gab viele handgefertigte Tassen lokaler Kuenstler. Der Katalog wird alle zwei Monate ausgetauscht, denn es gibt immer nur Tassen von jeweils den Kuenstlern, die in den jeweiligen Monaten Geburtstag haben (also in unserem Fall Oktober und November). Dann servierte die Zeremonienmeisterin unter viel Verbeugen eine kleine Suessigkeit. Akiko ermahnte mich noch, ob der erwarteten Bitterkeit des Tees etwas davon „zum Nachspuelen“ aufzubewahren. Dann kamen auch schon die Tassen. Wie vorgeschrieben nahmen wir die Tassen mit der Vorderseite zu uns gerichtet in Empfang, drehten sie um ein Viertel im Uhrzeigersinn, tranken den (gerade richtig unbitteren…) Tee (eine Hand unter die Tasse, eine rechtss an die Seite), drehten die Tassen wieder zu uns, betrachteten sie und drehten sie mit der Vorderseite zu unser Gastgeberin, die uns bei dem einen oder anderen Schritt sehr nett und hilfreich zur Seite stand. Danach lud sie uns ein, das Teehaus und seinen Garten zu besichtigen. Mich hat die ganze Zeremonie irgendwie… beruehrt, denn sie strahlt sehr viel Ruhe, Gelassenheit, Genauigkeit und Tradition aus. Man wird selber sehr ruhig und nimmt vieles genauer wahr. Hoert sich ein bisschen nach Drogen an, merk ich grad…

Die dritte Station des Nagoya-Erlebnistages war das Toyota-Museum. Der Automacher Toyota (benannt nach Herrn Toyoda) hat seinen Hauptsitz in Nagoya und sich selbst und dem Automobil als solches ein Andenken in der Stadt gesetzt. Weil es schon recht spaet war, mussten wir etwas durch die Ausstellung hetzen, aber fuer ein Augenleuchten bei Herrn Benzens erstem Auto und bei den zahlreichen US-Strassenkreuzern hat es doch noch gereicht…

Schliesslich traf ich noch Akikos Grossmutter, die mehr noch mehr leckeren (ich kann kaum glauben, dass ich das schreibe) Tee und Suessigkeiten kredenzte und mich per Dolmetscherin Akiko ordentlich, aber sehr nett ausquetschte… da blieb mir am Abend nur noch der Weg ins Hostel und ein weiteres heisses Bad.

Unterwegs in Nagoya

November 18, 2006

Nach meinem geloesten Gelddrama bin ich, wie gesagt, am Dienstag Abend mit dem Shinkansen nach Nagoya geduest, wo Ryutaro bei der Firma Kyocera arbeitet. Und zwar so richtig, teilweise bis zu 70 Stunden die Woche, manchmal von 6 Uhr morgens bis Mitternacht. Und so musste ich heute ne Weile auf ihn am Bahnhof warten, bevor wir dann sehr gut Sushi essen waren. Den Abend liessen wir in der durch und durch japanischen Lokalitaet „Jacks Bar“ ausklingen, in der wir die einzigen Gaeste waren und ich erst den japanischen Barkeepern den einzigen mir bekannten Kartentrick beigebracht habe und dann Ryutaro im Darten abgezogen habe.

Nachdem wir am naechsten Morgen ausgeschlafen und mittags Curryreis gegessen hatten, trafen wir mit einer weiteren Iowa-Ehemaligen zusammen. Akiko hat in Nagoya studiert und fliegt naechste Woche fuer drei Monate nach Prag. Am Mittwoch tourten wir aber erst mal zu dritt entspannt durch Nagoya (oder zumindest so entspannt, wie Akikos teilweise rasante Fahrweise das zuliess…)

Wir schauten uns ihre Uni an, fuhren in einen sehr schoen angelegten Park (mit Fischen!) und wollten eigentlich noch zusammen Abendessen. Aber weil Akiko zu einem Blumengesteckbastelkurs musste, bin ich dann mit Ryutaro essen gegangen. Es gab „mon-ja“ (Schreibweise ohne Gewaehr), eine Art Pfannkuchen (zumindest von der Zubereitung her), den die Koechin direkt am Tisch gemacht hat und der dann heiss von der Platte „gekratzt“ wurde. Die Anfuehrungszeichen kann man eigentlich auch weglassen, merk ich grad, denn wir haben tatsaechlich mit so kleinen Schabern gegessen. Eine Abwechslung zu den Staebchen, die mir allerdings jeden Tag vertrauter und lieber werden, muss man sagen. 

Dann ging es auch fuer Ryutaro nach Hause und fuer mich in mein Hostel. Beziehungsweise war es eigentlich ein Ryokan, ein traditionelles, japanisches Gasthaus. Traditionell, das heisst ein mal natuerlich Matten im Zimmer, Schlappen tragen und auf Futons auf dem Boden schlafen – das heisst aber auch zu meiner absoluten Begeisterung; Einen Kimono anziehen und ins heisse Bad schlendern. Dort schrubbt man sich auf einem Schemel sitzend erst mal gruendlich mit Dusche, Seife und Wasserschuessel ab, dann geht es seifenrestfrei ins grosse, heisse Wasserbecken, wo man… einfach nur sitzt. Und sitzt. Und ab und zu mal seufzt. Und wieder sitzt. Geil. So entspannt war ich nicht mehr seit… ich merk schon, dieses Blog ist nicht das Blog der grossen Vergleiche…