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Full House in Kyoto

November 19, 2006

Ich bin wieder – und von heute bis Samstag Mittag – in Kyoto und das Wetter ist echt schlecht, so ganz grau und verregnet. Weil ich gerade eine Stunde Zeit habe, bis meine Waesche trocken ist und ich mich danach zu einem angestrahlten Tempel aufmachen kann, bringe ich euch mal wieder auf den neuesten Stand.

Gestern (Samstag) war ich schon ein mal mit Ryutaro in Kyoto, und ich habe, denke ich, schon eines der Highlights der Stadt gesehen, zumindest zu dieser Jahreszeit. Denn dann faerben sich die Blaetter der Ahornbaeume knallrot und zusammen mit dem gruen, gelb und braun der anderen Blaetter ergibt das einfach einen sehr geilen Farbeffekt. Ich merk schon, ich muss die Tage mal wieder Fotos hochladen… Besonders gut zu sehen sind die Farbspiele in der Gegend Arashiyama, die zum Ausgleich dann aber mal gestern SO RICHTIG voll war mit Touristen. Selbst als Radfahrer, von einigen Taxen mal ganz abgesehen, hatte man da kaum eine Chance, durchzukommen.

Nach dem Mittagessen schlenderten wir durch die ebenfalls furchtbar ueberfuellten Strassen Kyotos. An jeder Fussgaengerampel bildeten sich Schlangen und an einigen Kreuzungen wurden die eifrigen Ampeln von trillerpfeifenden Polizisten verstaerkt.

Wir schauten einem Fernsehteam von „Kansai TV“ zu, wie es am Fluss eine Live-Sendung drehte, bei der es offenbar um das Thema „Angeln“ ging und verbrachten dann die Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit in einer kleinen Billiardhalle, als dessen Chef sich der japanische Billiard-Trickstoss-Meister Yoshikazu Kimura entpuppte, der offenbar zu meiner Unkenntnis vor allem in den 80ern und 90ern ein Star der Szene gewesen sein soll. Tatsaechlich hingen an der Wand zahlreiche Zeitungsartikel ueber den Mann und zwei Tische weiter brachte er gerade einem jungen Nachwuchstalent einen Trick nach dem anderen bei. Wenn ich ihn vorher gekannt haette, waere das mit der Ehrfurcht bestimmt noch mal ein Stueck groesser geworden, so war es immerhin eine kleine Ehre, neben diesem Billiardidol zu stehen und eher schlecht als recht… aber lassen wir das.

Jedenfalls wollten wir den bekannten Kiyomizu-Tempel besuchen, der momentan abends angestrahlt wird und offensichtlich somit eine noch groessere Attraktion geworden ist, denn nachdem wir ueber zwanzig Minuten vergeblich auf den Bus gewartet hatten, entschlossen wir uns ein Taxi zu nehmen. Da diese grandiose Idee auch andere Menschen hatten, warteten wir weitere knapp zwanzig Minuten vergeblich auf Bus und Taxi und entschlossen uns schliesslich, den Tempel fuer heute sausen zu lassen und lieber zu einem riesigen Abendessen zurueck zu Ryutaro zu fahren. Den Abend liessen wir dann eher typisch unjapanisch biertrinkend und South Park-guckend ausklingen.

Heute, am Sonntag, freute ich mich dann erst mal ueber den fuenften Sieg der Grashuepfer in Folge – an dieser Stelle noch mal Glueckwunsch zur unheimlichsten Siegesserie der letzten Jahre! HHIT! Nach dem Mittagessen brachten mich Ryutaro und seine Mutter zum Bahnhof und ich setzte mich in Richtung Kyoto in Bewegung. Und hier sitze ich jetzt, in meinem fuenfstoeckigen Backpacker-Hostel (ich bin natuerlich im fuenften Stock…), warte auf meine Waesche und darauf, dass ich endlich den zweiten Versuch zum Tempel starten kann. Der Tempel hat wegen seiner hohen, hoelzernen Veranda uebrigens das Sprichwort „von der Buehne/Veranda des Kiyomizu springen“ inspiriert – sich etwas trauen, also.

Wenn die Zeit noch reicht, will ich spaeter noch ein oeffentliches Bad besuchen, um meine Heiss-Baden-Entspannungserfolge von Nagoya zu wiederholen.

Deutscher Musikroboter

November 18, 2006

Am Freitag sollte ich mich schliesslich mit Nanako treffen, auch sie wohnt in Nagoya und auch sie war mit mir in Iowa. Nachdem ich aus meinem Traum-Heiss-Baden-Ryokan ausgecheckt hatte, versuchte ich zunaechst vergeblich, Nanako anzurufen.

Also machte ich mich erst mal selbst auf den Weg zum Atsuta-jingu. Der Schrein aus dem dritten Jahrhundert gehoert zu den bedeutendsten Sakralbauten Japans, sagt mein Marco Polo. Denn hier liegt eines der drei kaiserlichen Hrrschaftsinsignien, das Schwert Kusanagi-no-Tsurugi. Sehen duerfen das aber nur der Kaiser hoechtspersoenlich und ein paar ganz wichtige Priesterchefs. So konnte ich mir aber doch wenigstens den Schrein an sich anschauen, der ziemlich weitlaeufig ist und von viel gruen umgeben. So eine Art Stadtpark mit gewaltiger Geschichte, koennte man sagen.Ein bisschen mehr dazu erzaehlen konnte mir ein Japaner, den ich vor dem Schrein traf und der seit 17 Jahren in London wohnt. Wir unterhielten uns eine Weile sehr nett, wanderten ueber das Gelaende und er erklaerte mir, dass die unzaehligen, in traditionelle Kostueme gewandten Kinder aufgrund eines alten Brauches mit ihren Eltern zum Fotos schiessen hier seien: Mit 3, 5 und 7 Jahren macht das wohl fast jedes japanische Kind mit, es soll Glueck und Erfolg in den folgenden Lebensabschnitten bringen (und sieht auch noch cool aus). 

Nach dem Mittagessen erreichte ich schliesslich Nanako und wir machten meinen Standard-Touri-Zwischenstopp am Stadtschloss. Nagoya-jo hatte als Besonderheit zwei riesige, goldene Delphinstatuen aufzuweisen, die am Dach befestigt und in ganz Japan bekannt sind. Auch klar: Aussichtsplattform, Blick ueber die ganze Stadt…

Der naechste Halt war wieder etwas ungewoehnlicher: Im frisch eroeffneten Robotermuseum gab es neben zahlreichen historischen Robotern auch interaktive Furbys, Roboterhunde, Roboterrobben UND in einer Sonderausstellung zwei deutsche, umprogrammierte Industrieroboter. Der eine konnte mit einer Kamera menschliche Umrisse speichern und diese im Scherenschnittformat auf eine Leinwand zeichnen, der andere, coolere, war so programmiert, dass er mit bestimmten Gelenkbewegungen Toene machen und so ganze Lieder spielen konnte. Und das es ja ein deutscher Roboter war, gab es auch Highlights wie „Die Gedanken sind frei“ oder “Guten Abend, gute Nacht“….

Dann bekam ich noch einen kurzen Einblick in die sagenumwobene japanische Karaokewelt, in der man mit mehren Leuten in einem kleinen Raum vor einem Risenfernseher sitzt, tausende Lieder zur Auswahl hat und auch mal acht Stunden so verbringt, offenbar… Na ja, zu einmal Britney Spears, einmal Christina Aguilera und einmal Support bei Nirvana hab ich mich dann auch hinreissen lassen… war ja im „kleinen Kreis“…

Schliesslich hab ich dann meine Riesenreisetasche aus Ryus Apartment geholt, hab ihn am Bahnhof getroffen und ab ging es im Shinkansen nach Osaka, wo ich die Nacht bei Ryutaros Eltern verbracht habe.

Museumstag

November 8, 2006

Hinweis: Die Fotos koennt ihr uebrigens anklicken, dann bekommt ihr eine groessere Version (habt aber auch ne laengere Ladezeit!).

Nach dem ausschweifenden Bar-Abend musste sich mein Aufzug-geschaedigter Kopf erst mal erholen und so ging der Tag gegen 11 Uhr mit einem Fruehstueck los. Laura, Nigel und myself gingen gepflegt japanisch zu Starbucks und trafen dort einen amerikanischen Volleyballtrainer, der irgendwie wegen der WM hier ist, genau habe ich das nicht gecheckt, denn ich musste Gebaeck essen.

Dann trennten sich unsere Wege, Laura wollte nach Kyoto, Nigel nach Korea und ich zum Osakajo, dem Schloss von Osaka, das 1583 erbaut worden war, zwischendurch abgebrannt, wieder aufgebaut, verfallen, 1931 neu gebaut und 1997 umfangreich restauriert und wieder hergestellt.wurde. Auf dem Weg von der Bahn durch den Schlosspark kam ich am Osaka Peace Center vorbei und machte neugierigerweise einfach mal einen Abstecher.

Es handelte sich um ein Zentrum, in dem auf drei Ebenen die Zustaende und das Leben in Osaka vor und waehrend des zweiten Weltkriegs, sowie die Kriege, die Japan in Asien in den letzten beiden Jahrhunderten fuehrte, behandelt wurden. Letzteres ist insofern interessant und bemerkenswert, als dass viele der Greuel die Japan in vielen Laendern Asiens angerichtet hat, in der japanischen Oeffentlichkeit immer noch als Tabu gelten und nicht aufgearbeitet wurden. Und als ich mir einige der Exponate und Texte anschaute, dachte ich oefter „Wow, die anderen Asiaten muessen die Japaner HASSEN“. Und so ist es wohl auch teilweise, vor allem in China und Korea.

OsakajoSchliesslich ging es weiter zum Schloss, durch den nett angelegten Schlosspark. Im Fruehjahr muessen hier insbesondere die bluehenden Baeume viel ausmachen, aber auch momentan, bei 15 bis 20 Grad war es noch schoen gruen. Das Schloss selbst sieht, wie ihr seht, sehr japanisch, sehr verziert aus. Fuer eine Innenbesichtigung war ich leider eine halbe Stunde zu spaet dran, dem Vorabend und dem Peace Center sei Dank… :)

Etwas enttaeuschend verlief mein Besuch im Panasonic Center. Hier hatte mein Marco-Polo-Reisefuehrer mir einen Insider-Tipp ins Ohr gefluestert: Angeblich gaebe es eine Art Fun Zone, in der man alles moegliche hochtechnische erleben und sogar Computer spielen koenne. Aber so sehr ich auch suchte und versuchte, mich durchzufragen… leider ein Satz mit x.

Den Abend sollte ein japanisches Essen mit Laura abrunden. Sie hatte einen Restauranttipp aufgetan, verzweifelte aber daran, dass die Bedienung ihre Nachfragen nach bestimmten Gerichten nicht verstand, woraufhin sie wutentbrannt den Laden verliess und neben mir herschimpfte… Mir war das alles etwas peinlich, vor allem, weil die Bedienung sehr nett war und blieb, typisch japanisch eben. Ich haette wahrscheinlich einfach etwas bestellt, in dem ich auf die bebilderte Karte gezeigt haette. Wir sind dann aber in einem anderen Restaurant gelandet, wo es auch sehr nett war, und ich meiner neuen Leidenschaft Suppe und Nudeln schluerfen nachkommen konnte. Denn das tun die Japaner gerne und laut – genau das richtige fuer mich…

Heute morgen wollte ich dann zur Abwechslung etwas frueher raus, denn ich hatte einiges vor. Da mein Trip heute hauptsaechlich aus U-Bahn-Fahren bestand, wurde es Zeit, dass ich meinen ehrfuerchtigen Respekt vor den riesigen, unverstaendlich aussehenden Fahrkartenautomaten ablegte und mich in das Abenteuer stuerzte. Meine Rettung kam nach einigen, verzweifelten Sekunden: Die Taste „English Guide“ belohnte mich mit einer auch fuer mich verstaendlichen Anleitung. Das einzige Problem ist noch, dass die riesige Karte, auf der man Stationen und Preise ablesen kann, auf japanisch ist, zumindest die Stationsnamen. Da muss ich immer noch mit meiner City Map abgleichen…
Das beste am U-Bahn-Fahren sind sowieso die Eingaenge zu den Bahnsteigen: Die Fahrkarte steckt man quasi im Vorbeigehen in einen ca zwei Meter langen Automat, durch den sie in (wirklich!) Sekundenbruchteilen durchgeschleust wird, die Schranke oeffnet sich, und man kann tatsaechlich ohne anzuhalten am anderen Ende die Karte wieder in Empfang nehmen. Das sieht nicht nur laessig aus, sondern es ist auch noetig, weil man die Karte zum Verlassen des Bahnsteiges am Zielbahnhof noch mal braucht.

Lange Rede, jedenfalls: Heute war mein Museumstag. Zuerst ging es ins Osaka Museum of History, das insbesondere bei den neueren Stuecken sehr interessant und anschaulich ist. Sehr schoen sind die zahlreichen Figuren und Nachbauten in Lebensgroesse (Marktstaende, Teile eines alten Kaiserpalasts, ein Theater, eine U-Bahn). Kleiner Wermutstropfen war hier, dass zwar die Bezeichnungen der Ausstellungsstuecke auf Englisch waren, nicht aber die meisten der Hintergrundbeschreibungen und Erklaerungen.

RosengartenAuf dem Weg zu meinem zweiten Museum des Tages machte ich noch eine sehr japanische Entdeckung. Japanisch insofern, als dass auch hier Moderne und Tradition, Laerm und Stille, Beton und Natur sehr eng beieinanderliegen. Eingeklemmt zwischen Stadtautobahn und Haeuserfronten stand ich ploetzlich in einem wunderbaren Rosengarten mit dutzenden Arten, Straeuchern, Baeumen, sich sonnenden Menschen und Katzen… (Anmerkung an meine Mutter: Ja, es existieren zahlreiche weitere Rosenfotos…!!)

Pavillion (2. Jahrhundert)Mein zweiter Museumsstopp war das Osaka Museum of Oriental Ceramics. Ich hatte zuerst gezoegert, ob ich ueberhaupt da rein sollte, denn an sich hoerten sich chinesische, koreanische und japanische Vasen und Teller aus den letzten paar Jahrhunderten nicht SO verlockend an. Was soll ich sagen: Es war fantastisch. Beeindruckt haben mich nicht nur die Vielzahl und die Schoenheit der ausgestellten Stuecke, sondern vor allem das, was sie symbolisieren: Wie wahnsinnig alt und traditionsreich die asiatische Kultur ist. Wenn man vor einem sehr gut erhaltenen Pavillionmodell aus dem 2. Jahrhundert (!!!) steht, dann bekommt man einfach eine Gaensehaut. Ich zumindest.

SchreinDen Tag beschloss ich mit einer kurzen Stippvisite des Ohatsu-Tenjin-Schreins, der ebenfalls zwischen Hochhaeusern verborgen im Stillen liegt. Schreine fuer verschiedene Gottheiten sind sehr haeufig in Japan und oft kommen die Leute, um an ihnen um Glueck oder aehnliches zu bitten. Am Ohatsu-Tenjin-Schrein ist das besondere, dass man aus einem Automaten eine Art Horoskop zieht, dass man dann an einen Strauch oder ein Seil bindet, damit sich der Wunsch bzw die Voraussage erfuellt. Und es sieht sehr nett aus, wie man auf dem Foto sieht.

Ach ja, und dann bin ich gerade noch Riesenrad gefahren. Das Dingen steht auf dem Dach eines Kaufhauses in der City, dementsprechend top war die Aussicht. Morgen breche ich meine Zelte in Osaka ab, dann geht es weiter nach Nara zu einem Tempel und dann abends nach Hiroshima.

Tokyo -> Fotos!

November 7, 2006

Am Sonntag ging es dann frueh Morgens nach Tokyo. Und direkt tat sich ein Problem auf, denn vor zehn Uhr tut sich an der Hostel-Rezeption GAR nichts. Da ich aber nicht den superschweren Rucksack mit nach Tokyo und zurueck schleppen wollte, musste ich den ja irgendwo lassen. Ich habe dann mal mein ganzes Menschheitsvertrauen zusammengerafft, den Rucksack an die Rezeption gestellt und hinterher Ryutaro da anrufen lassen – und siehe da: als ich wieder da war, lag er auf meinem Bett. Yeah! (Man muss dazu sagen, dass die Hostelzimmer sich nicht abschliessen lassen und ich nicht sicher war, ob mein Zimmer in der einen Nacht Abwesenheit anderweitig vergeben war, sonst haette ich den Rucksack gleich da gelassen.

ShinkansenNach Tokyo bin ich mit dem „Shinkansen“ gefahren, Japans schnellere Version dess ICEs. Damit laesst sich die Strecke Osaka-Tokyo, eine sechsstuendige Autofahrt, locker in drei Stunden schaffen. Und eine japanische Erfahrung ist es auch. Denn, liebe Leserinnen und Leser, die Verbeugung ist ja quasi der Haendedruck des Japaners. Auch wenn es hier heute den Meisten wohl nicht mehr so gelaeufig ist, wer sich eigentlich wie tief vor wem verbeugen soll, ist es in vielen Bereichen noch gang und gebe. So verbeugte sich der  Shinkansen-Schaffner jedes Mal sehr tief, wenn er zur Fahrkartenkontrolle durch den Wagen kam oder ihn wieder verliess. Wenn er einfach nur tatenlos durchging, reichte auch eine leichte Verbeugung. Ebenso die Dame, die staendig mit dem Essenswagen durch die Waggons kam: Tuer auf, Verbeugung, Durchgang, Verbeugung, Tuer zu. Das ganze wirkte aber nicht etwa laecherlich oder Fehl am Platze, sondern es verlieh dem ganzen einen sehr… mmh… eleganten, wuerdevollen Rahmen, fand ich.

In Tokyo angekommen, schleifte mein Freund Ryutaro mich gleich mal in das naechste traditionelle japanische Kleinrestaurant. Traditonell deswegen, weil neben „normalen“ Tischen auch japanische Tische dort standen, an denenn man nur im knien bzw. so-halb-dran-liegen (Zitat Ryutaro: kneeling cuts of the blood in my legs!) essen konnte. Es gab Tee (ja, liebe Leserinnen und Leser, ICH habe Tee getrunken!!).

GinzaDann machten wir eine kleine Stadttourm inklusive eines Besuchs des… ACHTUNG, KULTURWARNUNG! Asakusa-Kannon-Tempel, eines der bekanntesten touristischen Ziele Japans, mit einem riesigen Lampion vor dem Donnertor, vor dem hunderte Menschen Fotos machten (inklusive uns). Der Lampion scheint allerdings nicht so sehr traditionell zu sein, denn laut Ryutaro lautet die Inschrift unten am Lampion „Panasonic“, die Firma hat das Dingen scheinbar gestiftet… Teil des Tempels ist der goldene Schrein der Goettin der Barmherzigkeit, Sho Kannon. Es bringt Glueck, wenn man dort eine 50-Yen-Muenze reinwirft, zweimal in die Haende klatscht, sich etwas wuenscht, und noch einmal doppelt klatscht. Klar, das hab ich gemacht. Und ich habe mir auch den Rauch aus so einer grillartigen Feuerstelle zugefaechert, denn auch das bringt Glueck.

Weitere Stationen: Die grossartige Aussicht aus dem 45. Stock der Tokyoter Stadtverwaltung (leider war es zu nebelig um den Fuji zu sehen) und die Glitzermeile Ginza, die tagsueber von 8 bis 20 Uhr fuer Autos gesperrt ist (ich war dort uebrigens auch im Apple-Store, Herr Komander…!)

Sake!Die naechsten zwei Stunden verbrachten wir in einem weiteren Restaurant, wo wir jede Menge japanisches Essen (unter anderem fritierte Shrimps mit Augen… ich musste erst mal ein Rollenspiel mit dem Shrimp durchfuehren, bevor ich ihn so essen konnte…), japanisches Bier und den beruehmten Sake, einen milden Reiswein, zu uns nahmen. Exzellent und sicherlich ohne Ryus sprachliche Hilfe fuer mich nicht moeglich.

Dann fuhren wir in die Wohnung von Ryus Eltern, wo ich auch uebernachtete. Der Vater begruesste mich mit einem froehlichen „Guten Tag!“, ich war aber zu langsam, um darauf zu reagieren und dann war das Gespraech auch schon zwei Meter weiter… naja, er dachte vielleicht, er haette es nicht richtig gemacht… Die Nacht habe ich sehr, sehr traditionell japanisch auf einem Futon verbracht, dass auf Bastmatten ausgelegt wurde.

Zum Fruehstueck, und auch das ist gewoehnungsbeduerftig, aber sehr lecker, gab es Spiegelei, Suppe, Salat, Brot und eine asiatische Frucht, deren Namen ich leider schon wieder vergessen hab. Also eigentlich eine Art Brunch. Nur halt, dass in Japan wohl oft so gefruehstueckt wird.

Mittags ging es dann, da Ryu am Abend wieder arbeiten musste, fuer mich mit dem Bus zurueck zum Bahnhof. Die Busfahrt war meine erste Begegnung mit dem japanischen Linksverkehr aus der Fahrzeugperspektive und ich finde es nach wie vor irre, wie sehr ich immer umdenken muss. Ich waere als Fussgaenger mit Sicherheit schon zwei, drei Mal theoretisch draufgegangen, weil ich gewohnheitsgemaess immer erst links gucke, bevor ich ueber die Strasse gehe. Das nuetzt natuerlich so gar nichts, wenn die Autos von rechts kommen…

Gestern Abend war ich mit einigen meiner Hostel-Mitbewohner (Nigel aus Kanada, der in Suedkorea Englisch unterrichtet und vier Tage in Japan ist und Charlie, Pete und Laura aus England, die eine Weltreise machen) in Namba unterwegs, dem Vergnuegungsviertel Osakas. Highlight des Abends: Ich bleibe beinahe mit dem Kopf in einer Aufzugtuer stecken und ein verrueckter Japaner bombardiert mich mit Fussballernamen (Kaaaan! Schwaistaiga! Klosa!) – nein ernsthaft, ein sehr netter Abend, in der Tat. Ich bin auch endlich dazu gekommen, Tintenfischbaellchen zu essen, die leider etwas enttaeuschend waren.

Also, sayonara! (ich kann inzwischen Guten Tag, Auf Wiedersehen, Danke, Entschuldigen sie, scheisse, „ich haette gerne davon“ und Prost sagen! Oh, und „bitte“ und „wirklich?“ – alles sehr sinnvolle Sachen, finde ich.)

Wie ich…

November 6, 2006

…nach Japan geflogen bin.
…mich verlaufen habe.
…meine erste Nacht in Japan verbracht habe.
So, ich bin aus Tokyo zurueck und sitze in einem sehr netten Intercafe in Osaka. Ich finde leider keine Akzente auf dieser Tastatur, daher muesst ihr euch das „cafe“ mit langem e denken, klar…

Also, wie schon kurz bemerkt, stellte sich in Dubai heraus, dass der Flieger verspaetet war, es ging eine gute Stunde spaete los. Der Pilot erklaerte uns dann, dass erst ein Triebwerkschaden behoben werden musste. Leider hatte dieser Flieger weder Sternhimmel noch Massage-Fussstuetzen. Vielleicht auch deshalb habe ich kaum schlafen koennen, die ersten zwei Stunden nur etwas gedoest. Dann habe ich mir mit lesen, Filme und Serien gucken und Pong spielen die Zeit vertrieben. Nachdem ich das erste Match triumphal mit 10:7 gewinnen konnte, folgten leider wieder zwei vermeidbare 9:10 -Niederlagen. Soviel dazu…

Schliesslich waren wir in Osaka. Der Flughafen (Kansai Airport) liegt direkt am Meer (wir erinnern uns alle: Japan ist mehrere Inseln!) und so gab es wieder einen spektakulaeren Anflug ueber Wasser, die Landebahn beginnt wirklich ein paar Meter vom Meer entfernt. Im Flughafen bin ich dann relativ unspektakulaer durch alle Kontrollen gegangen und habe mir meinen doch sehr schweren Rucksack geschnappt und meinen Rail Pass geholt, fuer den ich bisher nur einen Gutschein hatte.. Bisher, und das merkte ich jetzt, war alles noch sehr international, unjapanisch und leicht gelaufen.

Jetzt musste ich naemlich ne Zugverbindung in die Stadt finden. Wegen der Verspaetung war meine eigentlich im Nezt rausgesuchte Verbindung fuer die Katz. Zusaetzlich brauchte ich noch ein Ticket, denn mein Railpass galt erst einen Tag spaeter. Als die Dame im Ticketcenter sagte, sie spraeche nur „a little bit“ english, dachte ich, das wuerde jetzt der erste Hand- und Fusseinsatz. Inzwischen hab ich aber gecheckt, dass viele Japaner wohl aus Hoeflichkeit grundsaetzlich erst mal nur „a little bit english“ sprechen, um ihr Gegenueber nicht zu enttaeuschen. Also alles kein Thema, sie hat mir sogar genau aufgeschrieben, wo ich umzusteigen hatte.

Das Hostel habe ich uebrigens trotz eigentlich leichtem Weg und guter Beschreibung erst im dritten Anlauf gefunden. Erschwert werden solche Momente durch die Tatsache, dass es in Japan grundsaetzlich keine Strassennamen gibt. Eine Adresse beinhaltet scheinbar eine Mischung aus Bezirk, Strassenblock und Hausnummer, aber so richtig hab ich das noch nicht gecheckt. Vieles wurde mir jedenfalls bisher nach dem Motto Dritte-Rechts-Vierte-Links oder ueber die Bahnstation erklaert – klappt auch!

Meine erste Nacht war -bis auf anhaltende Jet-Lag-Schlaflosigkeit – sehr gut, ich habe in dem Hostel (in dem man, wie fast ueberall in Japan, wo man schlaeft, seine Schuhe am Eingang auszieht) ein Einzelzimmer mit Matratze auf dem Boden. Das Hostel selbst ist im sechsten Stock eines siebenstoeckigen Hochhauses.

Und damit dieser Eintrag nicht NOCH laenger wird und weil ich Hunger habe, schreibe ich ueber Tokyo spaeter oder morgen.

PS. Danke mal wieder fuer die vielen Kommentare, das freut mich echt immer! Kristina, ja, die heissen Handtuecher gab es bei uns auch, sehr praktisch. Vor allem nett, wenn man sieht, wie der eine oder andere um einen herum etwas unschluessig damit dasitzt und erst mal verstohlen guckt, was die anderen so damit anfangen…

Frage an meine Mutter: Ist mein Fuehrerschein gut angekommen?

nur kurz, nicht viel zeit

November 4, 2006

Bin gut angekommen, trotz verspaetetem Flieger, leichter Zugverwirrung und einmal verlaufen. Mehr zu namenlosen Strassen, der PongRevanche, warum ich den Bindestrich nicht finde, meinem Zimmer hier und meinen ersten Erlebnissen bald!

Morgen geht es nach Tokyo, in aller Fruehe, bin Sonntag Abend zurueck!