Ich bin wieder – und von heute bis Samstag Mittag – in Kyoto und das Wetter ist echt schlecht, so ganz grau und verregnet. Weil ich gerade eine Stunde Zeit habe, bis meine Waesche trocken ist und ich mich danach zu einem angestrahlten Tempel aufmachen kann, bringe ich euch mal wieder auf den neuesten Stand.
Gestern (Samstag) war ich schon ein mal mit Ryutaro in Kyoto, und ich habe, denke ich, schon eines der Highlights der Stadt gesehen, zumindest zu dieser Jahreszeit. Denn dann faerben sich die Blaetter der Ahornbaeume knallrot und zusammen mit dem gruen, gelb und braun der anderen Blaetter ergibt das einfach einen sehr geilen Farbeffekt. Ich merk schon, ich muss die Tage mal wieder Fotos hochladen… Besonders gut zu sehen sind die Farbspiele in der Gegend Arashiyama, die zum Ausgleich dann aber mal gestern SO RICHTIG voll war mit Touristen. Selbst als Radfahrer, von einigen Taxen mal ganz abgesehen, hatte man da kaum eine Chance, durchzukommen.
Nach dem Mittagessen schlenderten wir durch die ebenfalls furchtbar ueberfuellten Strassen Kyotos. An jeder Fussgaengerampel bildeten sich Schlangen und an einigen Kreuzungen wurden die eifrigen Ampeln von trillerpfeifenden Polizisten verstaerkt.
Wir schauten einem Fernsehteam von „Kansai TV“ zu, wie es am Fluss eine Live-Sendung drehte, bei der es offenbar um das Thema „Angeln“ ging und verbrachten dann die Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit in einer kleinen Billiardhalle, als dessen Chef sich der japanische Billiard-Trickstoss-Meister Yoshikazu Kimura entpuppte, der offenbar zu meiner Unkenntnis vor allem in den 80ern und 90ern ein Star der Szene gewesen sein soll. Tatsaechlich hingen an der Wand zahlreiche Zeitungsartikel ueber den Mann und zwei Tische weiter brachte er gerade einem jungen Nachwuchstalent einen Trick nach dem anderen bei. Wenn ich ihn vorher gekannt haette, waere das mit der Ehrfurcht bestimmt noch mal ein Stueck groesser geworden, so war es immerhin eine kleine Ehre, neben diesem Billiardidol zu stehen und eher schlecht als recht… aber lassen wir das.
Jedenfalls wollten wir den bekannten Kiyomizu-Tempel besuchen, der momentan abends angestrahlt wird und offensichtlich somit eine noch groessere Attraktion geworden ist, denn nachdem wir ueber zwanzig Minuten vergeblich auf den Bus gewartet hatten, entschlossen wir uns ein Taxi zu nehmen. Da diese grandiose Idee auch andere Menschen hatten, warteten wir weitere knapp zwanzig Minuten vergeblich auf Bus und Taxi und entschlossen uns schliesslich, den Tempel fuer heute sausen zu lassen und lieber zu einem riesigen Abendessen zurueck zu Ryutaro zu fahren. Den Abend liessen wir dann eher typisch unjapanisch biertrinkend und South Park-guckend ausklingen.
Heute, am Sonntag, freute ich mich dann erst mal ueber den fuenften Sieg der Grashuepfer in Folge – an dieser Stelle noch mal Glueckwunsch zur unheimlichsten Siegesserie der letzten Jahre! HHIT! Nach dem Mittagessen brachten mich Ryutaro und seine Mutter zum Bahnhof und ich setzte mich in Richtung Kyoto in Bewegung. Und hier sitze ich jetzt, in meinem fuenfstoeckigen Backpacker-Hostel (ich bin natuerlich im fuenften Stock…), warte auf meine Waesche und darauf, dass ich endlich den zweiten Versuch zum Tempel starten kann. Der Tempel hat wegen seiner hohen, hoelzernen Veranda uebrigens das Sprichwort „von der Buehne/Veranda des Kiyomizu springen“ inspiriert – sich etwas trauen, also.
Wenn die Zeit noch reicht, will ich spaeter noch ein oeffentliches Bad besuchen, um meine Heiss-Baden-Entspannungserfolge von Nagoya zu wiederholen.