Japan (V)

November 21, 2006

Mal wieder Zeit fuer eine kurze Erlaeuterung. In Japan kommt es oft vor, dass einem auf Kassenzetteln, Eintrittskarten oder Fahrscheinen, insbesondere aber auf offiziellen Dokumenten, ein fuer Unwissende etwas merkwuerdig erscheinendes Datum entgegenspringt. So ist mein Japan Rail Pass zum Beispiel gueltig bis „18-11-25″. 11 – klar, November und bis zum 25., auch klar. Aber 18?

Des Raetsels Loesung: In Japan benutzt man nicht nur den gregorianischen Kalender (nach wir uns momentan im Jahre 2006 nach Christi Geburt befinden), sondern auch das sogenannte „nengo“-System, in dem jeweils die Jahre der Herrschaft des aktuellen Kaisers gezaehlt werden. Da der aktuelle Kaiser Akihito seit dem 8. Januar 1989 regiert, befinden wir uns aktuell im 18. Jahr der Heisei-Aera (so hat Akihito seine Herrschaftszeit benannt, auf deutsch heisst Heisei in etwa „Frieden ueberall). Das erste Jahr einer neuen Aera beginnt immer am ersten Tag der Herrschaft des Kaisers und jedes Jahr endet am 31. Dezember (das letzte dann eben mit dem Tod des Kaisers). So kann es theoretisch sein, dass ein Jahr nur einen Tag dauert.


Das Kyoto-Protokoll (sorry, konnte es mir nicht verkneifen…)

November 21, 2006

 Erst mal schoene Gruesse an meine Cousine! Schoen, dass du hier mitliest, dann kannst du deinem Vater ja die schweren Woerter erklaeren… :)

Jedenfalls: Am Sonntag Abend war ich dann tatsaechlich erfolgreich am Kiyomizu-Tempel und es war grandios. Der Tempel und das umliegende Gebiet wird momentan (noch bis in den Dezember hinein) abends drei Stunden lang wunderbar angestrahlt. Die Gegend ist sowieso schon sehr schoen und das hat den Effekt noch einmal verstaerkt. Ich war auch an der Stelle, die das angesprochene Sprichwort vom runterspringen inspiriert hat und muss sagen, ich kann mir nur schwer vorstellen, dass 80 Prozent der Leute, die den Sprung tatsaechlich frueher gewagt haben (als das noch nicht verboten war), ueberlebt haben sollen.

Fast noch schoener wurde der Tempel-Ausflug, als es anfing zu regnen. Denn der Regen sah im blauen Scheinwerferlicht direkt neben dem hoechsten Tempelgebaeude einfach… unbeschreiblich (deshalb an dieser Stelle: keine Beschreibung!) aus. Ich bin fast daran verzweifelt, mit meiner Digicam in Mutter-Teresa-Letzte-Woche-Verfassung dieses Bild einzufangen.

Mein Hostel bietet uebrigens fuer mich eine Japan-Premiere. Denn wo ich bisher immer bequem und leise in einem Einzelzimmer naechtigen konntedurftewollte, schlafe ich jetzt mangels Alternative in einem Achter-Zimmer. Das ist zwar an sich irgendwie authentisch-backpackerischer, aber auch eben schnarchender, federnquietschender, raeuspernder, schnaufender und einschlafschwieriger. Ich lerne nette Leute lieber im Gemeinschaftsraum kennen, sage ich mal… aber et geht und ich werd es ueberleben.

Den Montag eroeffnete ich dann mit Johnny. Johnny heisst auch Hajime Hirooka, nennt sich aber selber Johnny Hillwalker („not Johnny Walker“… keiner lacht…) und bietet seit elf Jahren englische Spaziergaenge durch Kyoto an. Um zehn Uhr war Treffen am Bahnhof und Johnny fuehrte uns gnadenlos ueber fuenf Stunden lang durch die Gassen Kyotos, vorbei an Buddha-Tempeln, Shinto-Schreinen (Shinto ist DIE originale, urspruengliche Japan-Religion), durchs Geisha-Viertel (leider kein Sichtkontakt mit einer Geisha, Johnny meint aber wir muessten unbedingt eine gesehen haben, waehrend wir in Kyoto sind. Ich bleibe dran.) und in kleine Werkstaetten, in denen zahlreiche Familien in Heimarbeit und im Verbund mit anderen Familien Faecher, Vasen oder Strohmatten herstellten. Alles in allem war es eine sehr coole Tour. Nachdem ich mich an Johnnys Akzent gewoehnt hatte, war es sehr schoen, ihm zuzuhoeren, wenn er die Geschichte der Geishas erlaeuterte oder ausfuehrlich ueber Religion in Japan referierte.

Nach der Tour stromerte ich einfach mal weiter: Erst durch DAS Geishaviertel Kyotos, Gion. Dann war ich etwas orientierungslos, machte mir aber einfach mal die nach wie vor nicht versiegenden Touristroeme zunutze und stellte mich an einer Schlange an, die zu einem Tempel zu fuehren schien. Der Tempel war, wie sich am Ende der Schlange herausstellte, auch angestrahlt und bot ein paar grandiose Fotomoeglichkeiten fuer mein Vordritterirakkriegsmodell. 
Nach einem weiteren kleinen Irrweg durch die Gassen und U-Bahnen Kyotos (mmh, obwohl ich eigentlich drei Karten mit mir rumschleppte…) fand ich schliesslich zurueck zum Hostel. Dort machte ich jedoch nur einen kurzen Stopp und mich wieder auf den Weg zum Public Hot Bath.

Dieser Ausflug war fuer mich eine interessante Erfahrung, denn es war noch einmal eine Ecke anders als das Bad in meinem Hostel in Nagoya. Ich musste mich erst mal in dem eigentlich recht kleinen Vorraum zurecht finden und konnte mich erst ein paar Fingerzeigduelle mit der netten Empfangsdame und einige kritische Blicke der zwei anwesenden aelteren japanischen Herren spaeter auf den bekannten Schemel vor die Dusche setzen, mich einseifen und rasieren und schliesslich ins heisse Bad gleiten. Und es war SEHR heiss, geschaetzte siebentausend Grad Celsius, so dass ich es nur zweimal jeweils eine oder zwei Minuten aushielt und so meinen ersten oeffentlichen Badbesuch recht kurz hielt. Entspannt war ich trotzdem.

Abends erklaerte mir dann im Hostel-Aufenthaltsraum noch ein aelterer (mindestens 30!!!) Brite die Grundregeln des Crickets, weil ich sehr unvorsichtig in den Raum geworfen hatte, wie fern mir die Regeln dieses Spiels laegen. Aber er war sehr nett und ich werde versuchen, bei der naechsten Gelegenheit (also in etwa 1000 Jahren) zu pruefen, ob ich irgend etwas verstanden habe.


Full House in Kyoto

November 19, 2006

Ich bin wieder – und von heute bis Samstag Mittag – in Kyoto und das Wetter ist echt schlecht, so ganz grau und verregnet. Weil ich gerade eine Stunde Zeit habe, bis meine Waesche trocken ist und ich mich danach zu einem angestrahlten Tempel aufmachen kann, bringe ich euch mal wieder auf den neuesten Stand.

Gestern (Samstag) war ich schon ein mal mit Ryutaro in Kyoto, und ich habe, denke ich, schon eines der Highlights der Stadt gesehen, zumindest zu dieser Jahreszeit. Denn dann faerben sich die Blaetter der Ahornbaeume knallrot und zusammen mit dem gruen, gelb und braun der anderen Blaetter ergibt das einfach einen sehr geilen Farbeffekt. Ich merk schon, ich muss die Tage mal wieder Fotos hochladen… Besonders gut zu sehen sind die Farbspiele in der Gegend Arashiyama, die zum Ausgleich dann aber mal gestern SO RICHTIG voll war mit Touristen. Selbst als Radfahrer, von einigen Taxen mal ganz abgesehen, hatte man da kaum eine Chance, durchzukommen.

Nach dem Mittagessen schlenderten wir durch die ebenfalls furchtbar ueberfuellten Strassen Kyotos. An jeder Fussgaengerampel bildeten sich Schlangen und an einigen Kreuzungen wurden die eifrigen Ampeln von trillerpfeifenden Polizisten verstaerkt.

Wir schauten einem Fernsehteam von „Kansai TV“ zu, wie es am Fluss eine Live-Sendung drehte, bei der es offenbar um das Thema „Angeln“ ging und verbrachten dann die Zeit bis zum Einbruch der Dunkelheit in einer kleinen Billiardhalle, als dessen Chef sich der japanische Billiard-Trickstoss-Meister Yoshikazu Kimura entpuppte, der offenbar zu meiner Unkenntnis vor allem in den 80ern und 90ern ein Star der Szene gewesen sein soll. Tatsaechlich hingen an der Wand zahlreiche Zeitungsartikel ueber den Mann und zwei Tische weiter brachte er gerade einem jungen Nachwuchstalent einen Trick nach dem anderen bei. Wenn ich ihn vorher gekannt haette, waere das mit der Ehrfurcht bestimmt noch mal ein Stueck groesser geworden, so war es immerhin eine kleine Ehre, neben diesem Billiardidol zu stehen und eher schlecht als recht… aber lassen wir das.

Jedenfalls wollten wir den bekannten Kiyomizu-Tempel besuchen, der momentan abends angestrahlt wird und offensichtlich somit eine noch groessere Attraktion geworden ist, denn nachdem wir ueber zwanzig Minuten vergeblich auf den Bus gewartet hatten, entschlossen wir uns ein Taxi zu nehmen. Da diese grandiose Idee auch andere Menschen hatten, warteten wir weitere knapp zwanzig Minuten vergeblich auf Bus und Taxi und entschlossen uns schliesslich, den Tempel fuer heute sausen zu lassen und lieber zu einem riesigen Abendessen zurueck zu Ryutaro zu fahren. Den Abend liessen wir dann eher typisch unjapanisch biertrinkend und South Park-guckend ausklingen.

Heute, am Sonntag, freute ich mich dann erst mal ueber den fuenften Sieg der Grashuepfer in Folge – an dieser Stelle noch mal Glueckwunsch zur unheimlichsten Siegesserie der letzten Jahre! HHIT! Nach dem Mittagessen brachten mich Ryutaro und seine Mutter zum Bahnhof und ich setzte mich in Richtung Kyoto in Bewegung. Und hier sitze ich jetzt, in meinem fuenfstoeckigen Backpacker-Hostel (ich bin natuerlich im fuenften Stock…), warte auf meine Waesche und darauf, dass ich endlich den zweiten Versuch zum Tempel starten kann. Der Tempel hat wegen seiner hohen, hoelzernen Veranda uebrigens das Sprichwort „von der Buehne/Veranda des Kiyomizu springen“ inspiriert – sich etwas trauen, also.

Wenn die Zeit noch reicht, will ich spaeter noch ein oeffentliches Bad besuchen, um meine Heiss-Baden-Entspannungserfolge von Nagoya zu wiederholen.


Deutscher Musikroboter

November 18, 2006

Am Freitag sollte ich mich schliesslich mit Nanako treffen, auch sie wohnt in Nagoya und auch sie war mit mir in Iowa. Nachdem ich aus meinem Traum-Heiss-Baden-Ryokan ausgecheckt hatte, versuchte ich zunaechst vergeblich, Nanako anzurufen.

Also machte ich mich erst mal selbst auf den Weg zum Atsuta-jingu. Der Schrein aus dem dritten Jahrhundert gehoert zu den bedeutendsten Sakralbauten Japans, sagt mein Marco Polo. Denn hier liegt eines der drei kaiserlichen Hrrschaftsinsignien, das Schwert Kusanagi-no-Tsurugi. Sehen duerfen das aber nur der Kaiser hoechtspersoenlich und ein paar ganz wichtige Priesterchefs. So konnte ich mir aber doch wenigstens den Schrein an sich anschauen, der ziemlich weitlaeufig ist und von viel gruen umgeben. So eine Art Stadtpark mit gewaltiger Geschichte, koennte man sagen.Ein bisschen mehr dazu erzaehlen konnte mir ein Japaner, den ich vor dem Schrein traf und der seit 17 Jahren in London wohnt. Wir unterhielten uns eine Weile sehr nett, wanderten ueber das Gelaende und er erklaerte mir, dass die unzaehligen, in traditionelle Kostueme gewandten Kinder aufgrund eines alten Brauches mit ihren Eltern zum Fotos schiessen hier seien: Mit 3, 5 und 7 Jahren macht das wohl fast jedes japanische Kind mit, es soll Glueck und Erfolg in den folgenden Lebensabschnitten bringen (und sieht auch noch cool aus). 

Nach dem Mittagessen erreichte ich schliesslich Nanako und wir machten meinen Standard-Touri-Zwischenstopp am Stadtschloss. Nagoya-jo hatte als Besonderheit zwei riesige, goldene Delphinstatuen aufzuweisen, die am Dach befestigt und in ganz Japan bekannt sind. Auch klar: Aussichtsplattform, Blick ueber die ganze Stadt…

Der naechste Halt war wieder etwas ungewoehnlicher: Im frisch eroeffneten Robotermuseum gab es neben zahlreichen historischen Robotern auch interaktive Furbys, Roboterhunde, Roboterrobben UND in einer Sonderausstellung zwei deutsche, umprogrammierte Industrieroboter. Der eine konnte mit einer Kamera menschliche Umrisse speichern und diese im Scherenschnittformat auf eine Leinwand zeichnen, der andere, coolere, war so programmiert, dass er mit bestimmten Gelenkbewegungen Toene machen und so ganze Lieder spielen konnte. Und das es ja ein deutscher Roboter war, gab es auch Highlights wie „Die Gedanken sind frei“ oder “Guten Abend, gute Nacht“….

Dann bekam ich noch einen kurzen Einblick in die sagenumwobene japanische Karaokewelt, in der man mit mehren Leuten in einem kleinen Raum vor einem Risenfernseher sitzt, tausende Lieder zur Auswahl hat und auch mal acht Stunden so verbringt, offenbar… Na ja, zu einmal Britney Spears, einmal Christina Aguilera und einmal Support bei Nirvana hab ich mich dann auch hinreissen lassen… war ja im „kleinen Kreis“…

Schliesslich hab ich dann meine Riesenreisetasche aus Ryus Apartment geholt, hab ihn am Bahnhof getroffen und ab ging es im Shinkansen nach Osaka, wo ich die Nacht bei Ryutaros Eltern verbracht habe.


Toepfern, Teezeremonie, Toyota – der Alliterationsdonnerstag

November 18, 2006

Nagoya war, in der Rueckschau, eine Zeit etwas abseits des reinen touristischen Rumlaufens und Fotografierens. Ich sage das ohne die geringste Spur des Bedauerns, so sehr mir die vorausgegangenen Tage mit ihrem vollen kultur- und geschichtstraechtigen Programm auch zugesagt haben.

Weil Ryu ja knechten war, traf ich mich morgens mit Akiko. Unsere erste Station des komplett und genial von ihr gestalteten Tages war eine Art Toepfereimuseum. Doch wir wollten hier nicht in der Vergangenheit schwelgen, nein, wir wollten der Zukunft ins Auge sehen, wir wollten schaffen, wir wollten MEHR. Kurz: Wir wollten toepfern. Kein Problem in der museumseigenen Werkstatt. Ausgeruestet mit unserer ganz eigenen Tuete Ton setzten wir uns dem Toepfermeister gegenueber. Dessen japanischen Anweisungen uebersetzte Akiko meisterhaft fuer mich, seine visuelle Vorfuehrung der Herstellung einer Schale konnte ich ganz alleine nicht verstehen.

Als es dann ans selber machen ging, taten wir uns beide erst mal etwas schwer, aber dank der immerwaehrenden Unterstuetzung des Maestro war ich nach knapp anderthalb Stunden kreativer Schoepfer einer kleinen, schlichten, feinen Tonschale, Akiko hatte die etwas gewagtere Variante in Blumenform gewaehlt. In einem Monat ist das ganze dann fertig gebrannt und getrocknet und soll mir netterweise auf dem Postwege zugehen. Mal schauen…

Auf dem Gelaende des Museums wurde ich kurz darauf auch Teezeremonie-entjungfert. Unsere Zeremonie wich leicht von den recht strengen Regeln ab, die sich bei unseren Freunden von Wikipedia finden. Wir suchten uns zuerst aus einem Katalog eine Teetasse aus. Es gab viele handgefertigte Tassen lokaler Kuenstler. Der Katalog wird alle zwei Monate ausgetauscht, denn es gibt immer nur Tassen von jeweils den Kuenstlern, die in den jeweiligen Monaten Geburtstag haben (also in unserem Fall Oktober und November). Dann servierte die Zeremonienmeisterin unter viel Verbeugen eine kleine Suessigkeit. Akiko ermahnte mich noch, ob der erwarteten Bitterkeit des Tees etwas davon „zum Nachspuelen“ aufzubewahren. Dann kamen auch schon die Tassen. Wie vorgeschrieben nahmen wir die Tassen mit der Vorderseite zu uns gerichtet in Empfang, drehten sie um ein Viertel im Uhrzeigersinn, tranken den (gerade richtig unbitteren…) Tee (eine Hand unter die Tasse, eine rechtss an die Seite), drehten die Tassen wieder zu uns, betrachteten sie und drehten sie mit der Vorderseite zu unser Gastgeberin, die uns bei dem einen oder anderen Schritt sehr nett und hilfreich zur Seite stand. Danach lud sie uns ein, das Teehaus und seinen Garten zu besichtigen. Mich hat die ganze Zeremonie irgendwie… beruehrt, denn sie strahlt sehr viel Ruhe, Gelassenheit, Genauigkeit und Tradition aus. Man wird selber sehr ruhig und nimmt vieles genauer wahr. Hoert sich ein bisschen nach Drogen an, merk ich grad…

Die dritte Station des Nagoya-Erlebnistages war das Toyota-Museum. Der Automacher Toyota (benannt nach Herrn Toyoda) hat seinen Hauptsitz in Nagoya und sich selbst und dem Automobil als solches ein Andenken in der Stadt gesetzt. Weil es schon recht spaet war, mussten wir etwas durch die Ausstellung hetzen, aber fuer ein Augenleuchten bei Herrn Benzens erstem Auto und bei den zahlreichen US-Strassenkreuzern hat es doch noch gereicht…

Schliesslich traf ich noch Akikos Grossmutter, die mehr noch mehr leckeren (ich kann kaum glauben, dass ich das schreibe) Tee und Suessigkeiten kredenzte und mich per Dolmetscherin Akiko ordentlich, aber sehr nett ausquetschte… da blieb mir am Abend nur noch der Weg ins Hostel und ein weiteres heisses Bad.


Unterwegs in Nagoya

November 18, 2006

Nach meinem geloesten Gelddrama bin ich, wie gesagt, am Dienstag Abend mit dem Shinkansen nach Nagoya geduest, wo Ryutaro bei der Firma Kyocera arbeitet. Und zwar so richtig, teilweise bis zu 70 Stunden die Woche, manchmal von 6 Uhr morgens bis Mitternacht. Und so musste ich heute ne Weile auf ihn am Bahnhof warten, bevor wir dann sehr gut Sushi essen waren. Den Abend liessen wir in der durch und durch japanischen Lokalitaet „Jacks Bar“ ausklingen, in der wir die einzigen Gaeste waren und ich erst den japanischen Barkeepern den einzigen mir bekannten Kartentrick beigebracht habe und dann Ryutaro im Darten abgezogen habe.

Nachdem wir am naechsten Morgen ausgeschlafen und mittags Curryreis gegessen hatten, trafen wir mit einer weiteren Iowa-Ehemaligen zusammen. Akiko hat in Nagoya studiert und fliegt naechste Woche fuer drei Monate nach Prag. Am Mittwoch tourten wir aber erst mal zu dritt entspannt durch Nagoya (oder zumindest so entspannt, wie Akikos teilweise rasante Fahrweise das zuliess…)

Wir schauten uns ihre Uni an, fuhren in einen sehr schoen angelegten Park (mit Fischen!) und wollten eigentlich noch zusammen Abendessen. Aber weil Akiko zu einem Blumengesteckbastelkurs musste, bin ich dann mit Ryutaro essen gegangen. Es gab „mon-ja“ (Schreibweise ohne Gewaehr), eine Art Pfannkuchen (zumindest von der Zubereitung her), den die Koechin direkt am Tisch gemacht hat und der dann heiss von der Platte „gekratzt“ wurde. Die Anfuehrungszeichen kann man eigentlich auch weglassen, merk ich grad, denn wir haben tatsaechlich mit so kleinen Schabern gegessen. Eine Abwechslung zu den Staebchen, die mir allerdings jeden Tag vertrauter und lieber werden, muss man sagen. 

Dann ging es auch fuer Ryutaro nach Hause und fuer mich in mein Hostel. Beziehungsweise war es eigentlich ein Ryokan, ein traditionelles, japanisches Gasthaus. Traditionell, das heisst ein mal natuerlich Matten im Zimmer, Schlappen tragen und auf Futons auf dem Boden schlafen – das heisst aber auch zu meiner absoluten Begeisterung; Einen Kimono anziehen und ins heisse Bad schlendern. Dort schrubbt man sich auf einem Schemel sitzend erst mal gruendlich mit Dusche, Seife und Wasserschuessel ab, dann geht es seifenrestfrei ins grosse, heisse Wasserbecken, wo man… einfach nur sitzt. Und sitzt. Und ab und zu mal seufzt. Und wieder sitzt. Geil. So entspannt war ich nicht mehr seit… ich merk schon, dieses Blog ist nicht das Blog der grossen Vergleiche…


Japan (IV)

November 14, 2006

BauzaunDieses Foto ist meiner Meinung nach typisch japanisch. Denn hier ist vieles in der Oeffentlichkeit sehr ordentlich und sauber (und das obwohl es im Vergleich zu Deutschland extrem wenig Muelleimer an den Strassen gibt). Das Foto zeigt naemlich einen Bauzaun. Und das ist nun mal keine einfache, dreckige Brettermeile sondern ein schoen dekorierter, bepflanzter Zaun, hinter dem der Baustellenschmutz verschwindet…


Fotos!

November 14, 2006

So, endlich mal wieder an einem Computer, der meinen Kartenleser mag. Damit ihr euch nicht durch die alten Beitraege wurschteln muesst, packe ich die neuen Fotos alle hier rein. Tada!

Botanischer Garten NaraDer botanische Garten in Nara.

Atomic Bomb Dome HiroshimaDer Atomic Bomb Dome in Hiroshima, die original erhaltenen Ruinen der Industrie- und Handelskammer, ueber der 1945 die Atombombe explodiert ist.

DelphinAus der Kategorie „Tiere“, Teil I: Ein neugieriger Delphin im Aquarium auf Miyajima.

Das Reh hat Hunger!Aus der Kategorie „Tiere“, Teil II: Das sagenumwobene hungrige Reh auf Miyajima…

Kobe!Und, ganz aktuell: Kobe vom Port Tower aus gesehen.